Wilhelm Raabe

Horacker (insel taschenbuch)

Raabe wird heute leider viel zu wenig gelesen. So sind denn viele wichtige seiner Bücher auch gar nicht mehr lieferbar. Dabei zählt er zu den raffiniertesten und hintergründigsten deutschen Autoren des 19. Jahrhunderts. Speziell sein Spätwerk sei empfohlen.

Horacker erschien 1876. Zu Beginn setzt Raabe ironisch weltgeschichtliche Ereignisse in Bezug auf die Provinzposse, die er zu schildern anhebt. Zwei Lehrer, der alte Konrektor Eckerbusch und sein Zeichenlehrer Windwebel, brechen zu einem beschaulichen Waldspaziergang auf. Dort treffen sie auf den angeblichen Schwerverbrecher Cord Horacker, der seit Wochen Tagesgespräch im Provinzkaff Gänsewinckel ist. Mord und Totschlag werden ihm nachgesagt. In Wirklichkeit ist Horacker ein neunzehnjähriger aus Liebe entlaufener Fürsorgezögling, der aus Hunger einen Topf Schmalz gestohlen hat.

Der kleine Roman liest sich auf der Oberfläche biedermeierlich. Man merkt auch bei diesem Werk schnell, dass Raabe seinen Jean Paul gelesen hat. Hinter dieser sprachlichen Scheinidylle übt er aber beissende Gesellschaftskritik. Das fängt bei der hysterischen Verbreitung von Gerüchten an und hört mit dem Bloßstellen spießiger sozialer Konventionen nicht auf. Werde in den nächsten Monaten noch einige seiner Bücher lesen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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