Thomas Bernhard: Immanuel Kant

Burgtheater 18.12.

Regie: Matthias Hartmann
Kant: Michael Maertens
Kants Frau: Karin Pfammatter
Ernst Ludwig, Kants Bruder: Hermann Scheidleder
Millionärin: Sunnyi Melles

Hartmann nahm angeblich seine besten Inszenierungen mit nach Wien, darunter diesen Immanuel Kant. Die Aufführung zeugt leider von einem großen Unverständnis der Theaterkunst Bernhards. Man kann froh sein, dass er sie nicht gesehen hat, ansonsten hätten wir einige giftige Theaterbriefe mehr von ihm.
Auf die Musikalität der Bernhardschen Kunstsprache hinzuweisen scheint banal. Desto seltsamer mutet es an, dass Michael Maertens die Monologe des Professor Kants so unrhytmisch (oft in weinerlichem Ton) vorträgt, so dass von Bernhards Sprachkunst kaum etwas übrig bleibt. Ohne diese ästhetische Klammer kehrt schnell Langeweile auf der Bühne ein, speziell im ersten Drittel.

Die komische Seite des Stücks (alle Werke Bernhards haben sie) ist das tragende Element der Inszenierung und auch des Schauspiels. Sunnyi Melles hat als Millionärin die Lacher berechtigterweise auf ihrer Seite. Hartmann reduziert den Text aber auf diese Komik und zeigt dem Publikum eine oberflächliche Komödie. Die tragische Seite der Bernhardschen Geistesmenschen und die damit verbundenen existenziellen Abgründe werden ignorant ignoriert.

Ein enttäuschender Theaterabend.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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