Lars von Trier: Antichrist

Filmcasino 22.11.

Lars von Trier polarisiert. Sein neuer Film steht in der Tradition der von Ingmar Bergman inszenierten düsteren Ehekatastrophen. Er hebt diese aber auf eine neue, apokalyptische Stufe. Der kleine Sohn kommt durch einen Unfall ums Leben, während sich das Ehepaar im Bett vergnügt. Die Mutter verfällt in eine schwere Depression, der Vater versucht sie zu therapieren, denn er ist Psychotherapeut.
Die beiden ziehen sich in eine einsame Waldhütte zurück, wo das psychische Horrordrama seinen stetigen Lauf nimmt. Hervorzuheben ist, dass die Natur als Projektionsfläche des Bösen dient. Das hebt sich wohltuend von den verlogenen Wald-und-Berg-Idyllen des Mainstreams ab. „Nature is Satan’s church“ wird das an einer Stelle pointiert zusammengefasst.

Sehenswert ist der Film vor allem aus einem Grund: Seine Filmsprache ist individuell, radikal und originell. So viel Kunstwillen gibt es im europäischen Film nur noch selten. Trier bedient sich eines breiten Spektrums an filmischen Mitteln. Er ist nicht nur inhaltlich, sondern auch ästhetisch rücksichtslos.

Diese Radikalität läuft zwar Gefahr, dass sie ab und an ungewollt ins Komische umkippt, speziell wenn man einige seiner thematischen Obsessionen hinzu nimmt (die Frau, das leidende Wesen). Aber diesem Balanceakt war radikale Ästhetik immer ausgesetzt.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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