Goethe: Faust – Der Tragödie erster Teil

Burgtheater 21.11.

Regie: Matthias Hartmann

Heinrich Faust: Tobias Moretti
Mephistopheles: Joachim Meyerhoff
Gretchen: Katharina Lorenz
Marthe Schwerdtlein: Maria Happel
Der Herr: Ignaz Kirchner

Unbedingt wollte ich Joachim Meyerhoff noch als Mephisto sehen, der bis Ende November die Rolle des erkrankten Gerd Voss übernommen hat. So pilgerte ich online und offline durch diverse Kartenbüros und kaufte die bis dato teuerste Burgtheater-Karte meines Lebens. Erwartungsgemäß gibt Meyerhoff einen brillianten Teufel. Man müßte lange in der Theatergeschichte kramen, um eine vergleichbare Leistung zu finden.

Doch wer ist sein Pendant? Ein ebenso glanz- wie farbloser Tobias Moretti. Eine Energiesparlampe neben einem Flächenblitz. Das lag nicht nur an der mäßigen schauspielerischen Leistung Morettis, sondern auch an Regisseur Matthias Hartmann, der Faust als gehemmten Stubenhocker anlegte. Dadurch bekam der Abend eine beängstigende qualitative Schieflage und scheiterte auf hohem Niveau.

Die Inszenierung des aus Bühnensicht schwierigen Stücks gelingt Hartmann überraschend gut. Zwar wird die Walpurgisnacht fast komplett ausgelassen, aber sein reduzierter Stil (riesiges Leintuch mit „Himmel“; ein großer Multifunktionswürfel auf der Bühne; ein Chor; Schatteneffekte…) wechselt gekonnt zwischen Ironie und Tragödie.

Sieht man es zusammen mit dem zweiten Teil, der stark auf multimediale Effekte setzt, gibt das eine gelungene Kombination und zeigt das weite Spektrum, das Hartmann als Regisseur zur Verfügung steht.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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