Reise-Notizen Zentralanatolien: Kappadokien

Die Landschaft rund um Nevsehir ist eine geologische Berühmtheit und zieht viele Touristen an. Die grotesk wirkenden Tuffkegel-Landschaften lassen vielfältige Assoziationen zu. Man sieht in den Städten und Dörfern immer noch einige der in die Höhlen hineingebaute Wohnungen. Inzwischen gibt es auch Luxushotels, die einen in Höhlenzimmern schlafen lassen, wenn man diese Erfahrung denn unbedingt machen will.

Wesentlich beeindruckender fand ich allerdings die unterirdischen Städte dort, die man teilweise noch besichtigen kann. Ich war in Derinkuyu, die bis zu 20.000 Menschen aufnehmen konnte. In den Gängen kann man sich teilweise nur arg gebückt vorwärts bewegen, die Mühen lohnen sich allerdings. Mit der Errichtung wurde in der Römerzeit begonnen und Zweck der Anlagen war das Verstecken vor Feinden. Die Ingenieurleistung ist beachtlich. Nicht nur was die Statik angeht (bis zu 20. Stockwerke unterirdisch), sondern auch was die heute noch perfekt funktionierende Belüftung betrifft. Bedenkt man, dass das Überleben als Bauern damals schon schwierig genug war, kann man nur verblüfft vor der unvorstellbaren Arbeitsleistung stehen, die zur Anlage dieser unterirdischen Städte notwendig war.

Ebenfalls sehenswert ist der Felskirchenkomplex von Göreme. Nicht nur wünscht einem dort eine Computerstimme beim Eingang auf Deutsch „Viel Spass“, man bekommt auch spektakuläre Fresken aus dem 10. und 11. Jahrhundert zu sehen.

Als Religionskritiker nimmt man amüsiert zur Erkenntnis, dass die Kleriker von Göreme ein hervorragendes Business-Modell entwickelt haben: Die begehrten „heiligen“ Grabplätze dort wurden auf ein Jahr vermietet. Damit vermied man, dass die Gräber voll wurden und sorgte für stetigen Profit.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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