Richard Kapuscinski

Afrikanisches Fieber. Erfahrungen aus vierzig Jahren. (Serie Piper)

Die Kategorisierung „Sachbuch“ und „Gegenwartsliteratur“ zeigt schon, dass es sich um ein ungewöhnliches Buch handelt. Kapuscinski braucht man nicht mehr vorzustellen, seine Arbeit als polnischer Korrespondent in Afrika ist inzwischen legendär. Seit 1958 war er mehr als vierzig Jahre auf dem Kontinent unterwegs, entwickelte sich zu einem exzellenten Kenner, begleitete oft „live“ als viele Staaten ihre Unabhängigkeit erlangten.

Es ist jedoch nicht nur diese Kennerschaft, welche den Ruf Kapuscinskis begründete, sondern seine literarische Begabung. Afrikanisches Fieber zeigt diese Erzählkunst, ein Verdienst, an dem Martin Pollack als Übersetzer natürlich nicht unbeteiligt ist. In 29 kurzen Kapiteln wird uns Lesern Afrika von allen Seiten näher gebracht. Im Mittelpunkt steht die Begegnung mit Menschen (von Slumbewohnern bis zu Regierungschefs), aus denen kulturelle, mentale und politische Informationen extrapoliert werden. Kapuscinski referiert nicht, er zeigt uns den Kontinent.

Eine bessere, spannendere und informativere Hinführung läßt sich nicht denken. Der ideale Gegenpol zur verkürzten medialen Berichterstattung in den reichen Ländern. Die Geschichte Ruandas bis zum Völkermord etwa ist ein verstörend fulminanter Text. Wenn Weltliteratur sich neben ästhetischer Brillanz vor allem dadurch auszeichnet, das grundsätzliche Aspekte des Menschseins hinterfragt werden, darf man Afrikanisches Fieber jederzeit in diese prestigeträchtige Schublade legen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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