Goethe: Faust – Der Tragödie zweiter Teil

Burgtheater 5.9.

Regie: Matthias Hartmann
Caroline Peters
Yohanna Schwertfeger
Simon Kirsch
Peter Knaack
Dietmar König
Joachim Meyerhoff
Tilo Nest
Stefan Wieland

Aus Gründen, die wohl tief in den Eingeweiden der Abonnementabteilung vergraben sein dürften, bekamen wir „Nach der Premiere“-Zykleninhaber zuerst den zweiten Teil von Goethes Tragödie zu sehen. Das Programmheft stimmte mich zuerst skeptisch, wenig Texte und diese dann von den üblichen Verdächtigen (Sloterdijk, Freud, Futurismus-Manifest…), ebenso stellte ich mir die Frage, wie Hartmann dieses Textmonstrum in nur zwei Stunden auf die Bühne bringen wollte.

Diese bestand aus mehreren transparenten Flächen, auf die man die Videos projezierte, die überwiegend live auf der Bühne gedreht wurden (Gesichter der Protagonisten, originelle Modellnachbauten etc.). Acht Schauspieler ergänzt durch Musiker und die Kameraleute reichten Hartmann, um sein improvisiert wirkendes Multimedia-Spektakel abzuwickeln. Wobei „improvisiert“ hier nicht negativ gemeint ist, sondern auf die entsprechende Bühnenästhetik verweist. Der Text ist natürlich ordentlich abgespeckt und wird maßvoll durch aktuelle Einschübe unterbrochen, wozu sich das Stück geradezu anbietet (Papiergeld und Inflation, Biologische Laboratorien etc.).

Mir gefiel vor allem Hartmanns Mut, das Stück in dieser Form anzugehen. Man probiert aus, was auf der Bühne geht, und siehe da, es funktioniert. Dazu trägt nicht zuletzt die exzellente schauspielerische Leistung bei, wobei jede(r) mehrere Rollen spielt. Die Inszenierung wird zwar nicht ins Pantheon der Faust-Inszenierungen aufgenommen werden, garantiert aber einen intelligenten und kurzweiligen Theaterabend.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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