Reise-Notizen: Luxemburg und Trier

Zwei Dinge wußte ich von Luxemburg: Weltkulturerbe und Finanzzentrum. Die Einladung einer Reisebekanntschaft aus Zentralasien kam also sehr gelegen, um gegen diese Inkompetenz anzureisen. Größte Überraschung: Die Industriegeschichte des kleinen Landes. Vor dem zweiten Weltkrieg war Luxemburg ein Zentrum der Schwerindustrie. Einige der über zwanzig Hochöfen und Produktionsstätten verrotten malerisch in der Landschaft und geben einen Eindruck von den gewaltigen Dimensionen der Erzverarbeitung. Die Natur hat nach einigen Jahrzehnten vieles davon zurück erobert, was grotesk wirkt, und zeigt, wie wenig selbst so monumentale Anlagen dem botanischen Furor entgegenzusetzen haben.

Die Stadt Luxemburg ist mit knapp 100.000 Einwohner eine Kleinstadt, aber wohl eine der pittoresk gelegensten Kleinstädte der Welt. Sie liegt auf zwei Ebenen, eine davon in idyllischer Tallage und prunkt mit ebenso alten wie hübschen Bauwerken. Unerwarteter Höhepunkt das Museum der Stadt, das Geschichte und Kunst unter einem Dach vereinbart. Direkt in den Felsen gebaut, ist es innenarchitektonisch spektakulär. Auch die historische Sammlung kann sich sehen lassen, darunter ein erst vor wenigen Jahren gefundenes, exzellent erhaltenes Mosaik der Römerzeit, das die Musen darstellt.

Nur wenige Kilometer entfernt liegt Trier, das ebenfalls mit spektakulären Überbleibsel aus der Römerzeit aufwartet und natürlich mit dem Geburtshaus von Karl Marx, in dem die marxistische Theorie anschaulich in Powerpoint-ähnlichen Darstellungen erklärt wird: Proletarier 1, P2, P3, P4. Wobei vier Proletarier als pars pro toto offenbar didaktisch hinreichend sind. Das archäologische Museum war am Montag leider geschlossen (liebe Museen, wann gewöhnt Ihr Euch das endlich ab?!). Außer dem ansehnlichen zentralen Platz in der Innenstadt und einigen Monumenten wirkt Trier allerdings wie eine verhärmte Kleinstadt.

Fotos von meinem Mitreisendem.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets