August Strindberg

Der Vater (Reclam UB)

Strindberg ist einer der seltenen Klassiker, die immer noch starke Emotionen auslösen können. Die Behandlung des weiblichen Geschlechts in seinen Stücken bringt nicht nur bei den lesenden Damen das Blut in Wallung. Die Versuche, durch psychologische Analysen diesem Frauenhass auf den Grund zu kommen, oder es schlicht wegzuhermeneutisieren (wie Walter Baumgartner im Nachwort der Reclam-Ausgabe) wirken eher hilflos.

Der Vater ist ein kanonisiertes Stück des Naturalismus und erregte nach der Entstehung 1887 großes Aufsehen, zeigt es doch ungeschminkt die Szenen einer Ehehölle. „Der Rittmeister“ wird durch seine Gattin Laura (und ihren Verbündeten) in den Wahnsinn und in den Tod getrieben. Auf den ersten Blick sieht es tatsächlich so aus, als würde Strindberg hier ein misogynes Schwarz-Weiß-Bild zeichnen. Liest man den Text genauer, ist die männliche Hauptfigur (in Maßen) ambivalent angelegt.

Der Vater provoziert immer noch und gibt eine Reihe von Denkanstößen. Das kann man nicht von jedem 120 Jahre alten Buch behaupten.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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