Der neue Wiener Ring (1): Das Rheingold

Wiener Staatsoper 16.5.

Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
Dirigent: Franz Welser-Möst
Wotan: Juha Uusitalo
Loge: Wolfgang Schmidt
Fricka: Janina Baechle
Erda: Anna Larsson
Alberich: Tomasz Konieczny

In der Hoffnung, dass der erste Durchlauf die neue Inszenierung und Einstudierung bereits auf Touren gebracht hat, wollte ich mir erst die zweite Komplettaufführung des neuen Wiener Ring ansehen. Für Das Rheingold war es die dritte Aufführung.
Nachdem ich Die Walküre bereits 2007 sah, lässt sich bereits sagen: Es ist kein großer Wurf geworden. Bechtolf inszeniert die Tetralogie zu unterkomplex. Die strukturelle Vielfältigkeit wird oft durch eine oberflächliche Reduktion auf Gegensätze ignoriert. Ein Beispiel aus „Rheingold“ wäre die Darstellung der Götter in weiß (inklusive weißen „Felsen“ auf der Bühne) und die Riesen in einem dreckigen Dunkelgrau. Auch in den anderen Szenen ist die Inszenierung ein Understatement, was mir prinzipiell nicht unsympathisch ist, hier aber nicht optimal umgesetzt wurde. Reduktion muss nicht Einfallslosigkeit heißen.
Sehr gespannt war ich auf Franz Welser-Mösts musikalische Einstudierung. Als designierter Co-Direktor der Staatsoper wird er das Haus ästhetisch für die nächsten Jahre prägen. Welser-Möst entschied sich für eine präzis-flexible Interpretation, stets bemüht Wagners Musik nicht in zu viel romantisches Pathos und klangliche Verschwommenheit abgleiten zu lassen. Das ist ein plausibler Ansatz, ging allerdings etwas auf Kosten des Glanzes der Musik. Das Staatsopern-Orchester zeigte sich vor dem neuen Chef naturgemäß von seiner besten Seite.
Gesanglich und darstellerisch war Tomasz Konieczny als Alberich der Höhepunkt des Abends. Stimmlich bis in den letzten Winkel präsent und genau phrasierend, könnte er sich als neue Rollenreferenz etablieren. Nur Wolfgang Schmidt als Loge hielt auf diesem Niveau gut mit. Das Rest des Ensembles sang durchaus passabel, war aber auf keinem Fall herausragend.
Heute Abend geht es weiter mit der Walküre.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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