Joseph Roth

Erzählungen (Kiepenheuer & Witsch)

Dieses schöne gebundende Buch, das für nur 10 Euro erhältlich ist, versammelt Erzählungen Joseph Roths. Ich nutzte diese Gelegenheit, einige bekannte Texte erneut zu lesen, einige zum ersten Mal.

Roth gilt als einer der sprachmächtigsten österreichischen Schriftsteller. Sein „Radetzkymarsch“ ist zurecht kanonisiert und seine Sprachkunst wird auch bei seinen kürzeren Werken offensichtlich. Sie zu beschreiben ist nicht einfach. Roth verwendet wenig effektheischende Stilmittel, sondern schreibt – auf den ersten Blick! – schlichte Prosa. Dabei verwendet er aber eine so anschauliche Metaphorik, dass nicht nur seine Figuren dem Leser ausgesprochen plastisch entgegen treten. Im Vergleich zum Spracharchitekten Thomas Mann wirkt Roths Sprache weniger distanziert und emotionaler, was „grausame“ Beschreibungen aber nicht ausschließt.

Viele der Erzählungen spielen im jüdischen Milieu Galiziens, dem Roth hier ein literarisches Denkmal setzt. Autobiographisches spielt immer eine große Rolle. Sei es die Herkunft aus eben dieser Gegend („Erdbeeren“), sei es seine kuk-Nostalagie („Die Büste des Kaisers“)  oder sei es seine Alkoholismus („Die Legende vom heiligen Trinker“).

Eine Antwort auf Joseph Roth

  • In – fast – allem Zustimmung, außer: „Die Legende vom heiligen Trinker“ scheint mir ein schwaches, wenig einfühlsames Werk – und das obwohl Roth im Alkohol daheim war und er für dieses kleine Stück Literatur in ausreichendem Maße Feldforschung betrieben hatte. Aber alles in dieser Erzählung ist Legende, schöngefärbt, fast märchenhaft, es ist viel mehr des Trinkers Traum als eine jener genauen, nüchternen Beschreibungen, welche seinen Erzählstil ansonsten auszeichnen. Ich vermute, dass er keine „fromme Sage oder unglaubwürdige Geschichte“ zu erzählen beabsichtigte, auch wenn damit per definitionem der Tatbestand der Legende erfüllt wäre. Und wenn doch – dann ist zwar ein für das Genre in seinem Wortsinne geglücktes Stück Prosa zustande gekommen, aber ebenso betulich wie andere Heiligenminiaturen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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