Gus Van Sant: Milk

Filmcasino 27.2.

Van Sant mischt sich mit diesem Film heftig in die aktuelle amerikanische Debatte um die Rechte von Homosexuellen ein. Man erinnert sich, dass es im Herbst in Californien gleichzeitig mit der Wahl Obamas ein Plebiszit gab, welches die Homoehe in dem angeblich so liberalen Bundesstaat widerrief. Ganz so, als könne es über Menschenrechte Mehrheitsentscheidungen geben.

Der Film zeigt einen wichtigen Teil der Vorgeschichte dieser Bürgerrechtsbewegung. Im Zentrum steht Harvey Milk, der es im San Francisco der siebziger Jahre zum Stadtrat brachte und damit der erste bekennende Schwule in einem politischen Amt war. Van Sant zeichnet den Aufstieg Milks zu dieser Position und den Kampf seiner Minderheit gegen die Diskriminierung in seinem neuen Film. Cinematographisch gekonnt inszeniert, mit zahlreichen Schnitten zwischen echten und „falschen“ Dokumentaraufnahmen erzählt er den entscheidenden Teil von Milks Biographie bis zum Attentat.

Das geht nicht ohne Pathos ab, wobei Pathos im Kino nicht notwendigerweise schaden muss, schon gar nicht, wenn es um eine gute politische Sache geht. Wie wenig sich in den letzten vierzig Jahren in dieser Frage verändert hat, zeigen die aktuellen Ereignisse leider überdeutlich.

Sean Penn legt eine furiose schauspielerische Leistung hin. Van Sant zeigt mit „Milk“ einmal mehr, dass er zu den interessanteren Regisseuren des amerikanischen Kinos zählt.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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