Büchner: Leonce und Lena

Thalia Theater Hamburg 9.2.

Regie: Dimiter Gotscheff
Bühne: Katrin Brack


König Peter: Peter Jordan
Prince Leonce: Ole Lagerpusch
Prinzessin Lena: Katrin Wichmann
Valerio: Andreas Döhler
Die Gouvernante: Viktoria Trauttmannsdorff

Die Beurteilung dieser Aufführung läßt sich auf die Frage zuspitzen: Wie halten Sie es mit dem Regietheater? Gelungenes Regietheater kann sehr spannend sein, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob Gotscheffs Bearbeitung des Büchner Stoffes in diese Kategorie fällt. Das Bühnenbild ist ohne Zweifel ein gelungener Einfall: Auf einer großen Treppe liegen eine Menge geschlossener Schlafsäcke, von denen nicht wenige mit Statisten „gefüllt“ sind. Diese Untertanen des Königs Peter drehen und winden sich in regelmäßig, so dass der absurde Eindruck entsteht, als handele es sich um Insektenlarven. Das passt ausgezeichnet zum grotesken Stil des Stücks und zum satirischen Gehalt des Stücks.

Diese Regieidee rettet den Theaterabend. Das übertriebene Gehabe des Ensembles hat man in den letzten Jahren schon so oft gesehen, dass es eigentlich nur noch langweilt. Ole Lagerpusch gibt Leonce als eine mildere Version der Gumbies aus Monty Pythons „Flying Circus“. Er macht das mit großem Einsatz, aber es ist nur sehr bedingt komisch. Peter Jordan gibt den König als eine Art geklonter Urban Priol.

Am Schluss habe ich mich ziemlich gelangweilt, was angesichts des Regieaufwands seltsam ist. Mehr Büchner und weniger Gotscheff wäre aufregender gewesen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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