Jakob Philipp Hackert (1737-1807)

Hamburger Kunsthalle 8.2.

Hackert verdankt die anhaltende Beschäftigung der Nachwelt mit sich vor allem einer Tatsache: Er war ein Freund Goethes. Goethe war es auch, der nach Hackerts Ableben eine auf autobiographischen Quellen basierende Biographie herausgab. So überrascht es nicht, dass es vor allem die Goethe-Forschung war, die sich in der Vergangenheit um den Maler bemühte.

Die Hamburger Kunsthalle hat nun gemeinsam mit der Klassik Stiftung Weimar die erste Retrospektive organisiert, wobei sich diese auf die Landschaftsmalerei beschränkt: Europas Landschaftsmaler der Goethezeit.

Zu Lebzeiten war Hackert nämlich einer der berühmtesten Künstler Europas. Aus heutiger Sicht hat das nicht unbedingt mit der Qualität seiner Bilder zu tun, sondern mit einer beachtlichen Geschicklichkeit in Sachen zielgruppenspezifisches Marketing.

Hackert verbrachte fast sein gesamtes Leben in Italien und spezialisierte sich früh auf stilisiert-realistische Landschaftsbilder, welche mit Vorliebe von Adligen gekauft wurden, die sich während ihrer „grand tour“ in Italien aufhielten. Zu seiner besten Zeit mussten die Auftraggeber bis zu sieben Jahre auf ihre Bilder warten. Hackert traf den Zeitgeschmack der Kunstsammler und schreckte auch vor ziemlich platter Epigonalität nicht zurück, etwa wenn er Claude Lorrain imitierte. Er könnte Höchstpreise für seine Werke verlangen und war einer der wohlhabendsten Künstler seiner Zeit.

Goethes Vorliebe für ihn bestätigt einmal mehr, dass sich der Kunstsinn des Weimarers nicht immer auf geschmacklich einwandfreien Bahnen bewegte. Sein Enthusiasmus für den drittklassigen Johann Heinrich Meyer, derselbe, der im Briefwechsel mit Schiller ständig gegrüßt wird, wäre ein weiterer Beleg dafür.

Die aktuelle Ausstellung ist plausibel kuratiert und gibt einen umfassenden Überblick über die Vielfalt von Hackerts Landschaftsmalerei. Die Anordnung der Gemälde ist gemischt chronologisch und thematisch. Schlendert man an den durchaus geschmackvoll in Szene gesetzen italienischen Landschaften vorbei, an den Villen, Küsten und Tempeln, kann man die Faszination der Zeitgenossen durchaus nachvollziehen. Es sind ebenfalls durchaus fragwürdige Beispiele seines Schaffens zu sehen, deren Epigonalität oder Künstlichkeit negativ ins Auge stechen. Dass die Kuratoren auch solche Bilder zeigen, ermöglicht dem Besucher, sich ein objektives Bild über Hackerts Leistungen zu erarbeiten.

Kurz der heutige Besuch dieser sehr erhellenden Ausstellung stimmte mich wieder etwas versöhnlicher, was die Hamburger „Kunstszene“ angeht.

Eine Antwort auf Jakob Philipp Hackert (1737-1807)

  • Ihren Bericht über die Ausstellung habe ich gerne gelesen! Es sind gerade die Hintergründe, wie die Zeitgeschmäcker, die einem eine tiefere Einsicht in die damalige Kunstszene gewähren.
    Besten Gruß:
    Tasso J. Martens

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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