Thomas Bernhard

Meine Preise Eine Bilanz. (Suhrkamp)

Mit großem Getöse hat Suhrkamp die erste Veröffentlichung aus Bernhards Nachlass auf den Buchmarkt gebracht. Bernhard schrieb die Texte vermutlich um 1980 und bereitete diese 1989 zur Veröffentlichung vor. Man könnte sie als Verlängerung seiner autobiographischen Schriften sehen, da er die Preisverleihungen immer zum Anlass nimmt, auch etwas über den biographischen Kontext zu erzählen, in dem sie stattfinden.

Bernhard tritt uns so entgegen, wie wir ihn kennen und schätzen: Brillant, bösartig, komisch. Dabei schont er auch sich selbst nicht, betont er doch regelmäßig, dass es ihm bei den Preisen meist nur um die damit verbundene Geldsumme ging:

Aber ich war doch die ganzen Jahre, in welchen noch Preise auf mich zukamen, zu schwach, um nein zu sagen. Hier hat, so dachte ich immer, mein Charakter ein großes Leck. Ich verachtete die, die die Preise vergaben, aber ich wies die Preise nicht strikt zurück. Es war alles widerwärtig, aber am widerwärtigsten empfand ich mich selbst.
[S. 100f.]

Das liest sich alles sehr unterhaltsam und reiht sich würdig in Bernhards Oeuvre ein. Eine ausführliche Rezension für „Literatur und Kritik“ wird folgen, wenn denn endlich der Briefwechsel zwischen Unseld und Bernhard erscheint, der längst überfällig ist.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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