David Christian: Big History

Normalerweise schreibe ich keine Kurzrezensionen über die zahlreichen Vorlesungen der von mir sehr geschätzen Great Courses, obwohl fast jede einen ausführlichen Artikel verdient hätte. Die 48 „Lectures“ über Big History erfordern jedoch unbedingt eine Ausnahme. Es handelt sich dabei um eine neue historische Schule in den Staaten, die quer zu den üblichen akademischen Gepflogenheiten steht. Anstatt sich im historischen Detail zu vergraben, was ja durchaus legitim ist, setzt man hier eine Brille mit möglichst weiter Brennweite auf: Nichts weniger als die Beschreibung der Geschichte des Universums und der Menschheitsgeschichte ist das Ziel. Man knüpft an die Tradition der Weltgeschichtsschreibung an, ergänzt diese aber um naturgeschichtliche Fakten.
Das klingt nun nach Größenwahn, aber Christian zeigt, wie kongenial man dieses Konzept umsetzen kann. Er beginnt mit dem Urknall, setzt mit Entstehung der Sterne und der chemischen Elemente fort, bis er schließlich nach der Entstehung des Sonnensystems und der Erde bei der Entstehung des Lebens landet. Der Abstraktionsgrad wird mit jeder Stufe kleiner bis er schließlich bei der Zukunft ankommt, der die letzten beiden Vorträge gewidmet sind.
Das Ergebnis könnte man als eine moderne Schöpfungsgeschichte im Anschluss an die vielen Geschichten der Alten verstehe, eine Geschichte allerdings, die auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen beruht. „Big History“ stellt sich bewusst in diese narrative Tradition und es bleibt zu hoffen, dass diese „Erzählung“ an den amerikanischen Colleges oft unterrichtet wird, und als Gegenpol zu dem religiösen Unsinn fungiert, mit dem dort so viele Köpfe vollgestopt sind.

David Christian: Big History: The Big Bang, Life on Earth, and the Rise of Humanity.
(Great Courses)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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