Livius

Die Anfänge Roms. Buch III

Rom wird von einer Seuche heimgesucht:

    Und die Krankheiten nahmen noch an Heftigkeit zu, nachdem wegen des Schreckens der Plünderung das Vieh und die Landbevölkerung in die Stadt aufgenommen worden war. Dieses Gemenge von Lebewesen aller Art nebeneinander setzte durch den ungewohnten Gestank den Städtern zu und dem Mann vom Land, der in engen Behausungen zusammengepfercht war, durch Hitze und Schlaflosigkeit, und die gegenseitigen Dienstleistungen und auch der bloße Kontakt verbreiteten die Krankheiten.
    [S. 209]

Eine naturalistische Erklärung für die Krankheit also und bereits eine ziemlich genaue Vorstellung, wie/warum man sich ansteckt. Begleitet wird diese Katastrophe durch Angriffe von außen. Die Feinde Roms wollen diese Phase der Schwäche natürlich ausnutzen.
Sobald die Krise überwunden ist, setzen die im zweiten Buch beschriebenen sozialen Spannungen neu ein. Volkstribun C. Terentilius Harsa schlug ein Gesetz vor, das die Macht der beiden Konsule deutlich beschränken sollte, und goss damit Öl ins Feuer.
Sehr ausführlich beschreibt Livius die Probleme, die nach einer Verfassungsänderung auftreten. Das Konsulat wird durch die Wahl von 10 „Decemvirn“ abgelöst, die jedoch schnell durch Willkür und Korruption beim Volk verhasst werden. Höhepunkt ist wieder die Geschichte um ein unschuldiges Mädchen, das unter fadenscheinigen Vorwänden und einem Scheinprozess einem lüsternen Patrizier zugeführt werden sollte. Sie wird der Tugend halber ermordet. Die Empörung ist groß. Literarisch eine Variation zum Lucretia-Stoff.
Der Hauptbösewicht Appius wird schließlich vor Gericht gestellt und schöpft alle Rechtsmittel aus, Rechtsmittel, die er während seiner Herrschaft nicht anerkannte. Erinnert das nicht an die heutige Diskussion um die Rechte von Kriegsverbrechern und Terroristen vor Gericht? Appius legt also „Berufung“ ein:

    Als man das Wort, das den einzigen Schutz der Freiheit bildete, aus diesem Mund hörte, aus dem vor kurzem erst eine einstweilige Verfügung gegen die Freiheit gekommen war, trat Stille ein. Und jeder sagte beifällig vor sich hin, es gebe doch noch Götter und sie kümmern sich um die menschlichen Dinge; und für den Hochmut und die Grausamkeit komme die Strafe zwar spät, aber sie sei doch nicht leicht: der die Berufung abgeschafft habe, lege Berufung ein; der alle Rechte des Volkes mit Füßen getreten habe, rufe den Schutz des Volkes an; und der einen freien Menschen zum Sklaven erklärt habe, werde in den Kerker geschleppt und stehe im Begriff, seine eigene Freiheit zu verlieren.
    [S. 273f.]

Ob George W. Bush in absehbarer Zeit auch einmal in diese Situation kommen wird?

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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