Reise-Notizen: Amsterdam (Mitte August)

Als ich Anfang des Jahres überlegte, welche wichtigen europäischen Städte ich noch nicht kenne, war schnell die Entscheidung für Amsterdam getroffen. Und es sei gleich zu Beginn gesagt, dass mich schon lange keine Stadt so schnell für sich eingenommen hat. Das fängt bei Kleinigkeiten an, etwa der exzellenten und preiswerten Verbindung zwischen Flughafen und Stadtzentrum.

Amsterdam bringt alles mit, was ich an urbanen Räumen schätze: Es ist multikulturell, bunt, lebendig und tolerant. Es ist vollgestopft mit kulturellen Höhepunkten. Es ist eine unglaublich schöne Stadt.

Es dürfte in der EU nur wenige Städte geben (London), wo man so viele unterschiedliche Nationen auf der Straße sieht. Das spiegelt sich naturgemäß auch im kulinarischen Angebot der Stadt nieder (am Rande sei erwähnt: Freunde der thailändischen Küche finden fast an jeder Ecke eine Nahversorgungsmöglichkeit). Für eine kleine Stadt (700.000 Einwohner) ist das kulturelle Angebot Weltklasse. Das gilt selbstverständlich für das Rijksmuseum, in dem im Moment wegen Renovierung des Gebäudes nur eine „Meisterwerke“-Auswahl zu sehen ist. Diese hat es aber in sich: In 25 Galerien reiht sich Höhepunkt an Höhepunkt: Rembrandt, Frans Hals, Vermeer und andere niederländische Meister sind mit vielen Hauptwerken vertreten. Eine so dichte Hängung an erstklassigen Werken habe ich bisher kaum gesehen.

Die lange Schlange vor dem van Gogh Museum sparte ich mir, eröffnet doch in einigen Tagen hier in der Albertina eine große van Gogh Ausstellung. Das Stadtmuseum ist vergleichsweise bieder, aber nicht uninformativ. Großen Charme versprüht die an sich unspektakuläre archäologische Sammlung der Universität Amsterdam, das Allard Pierson Museum. Dort gab es passenderweise eine sehr gute Sonderausstellung über die Geschichte des Buches mit vielen sehr schönen Ausstellungstücken. Apropos Sonderausstellung: Ich sah mir auch „Black is beautiful“ in der Nieuwe Kerk an, ein durchaus spektakulärer Museumsraum. Die Kuratoren wollten die Rolle von schwarzen Menschen in der Kunst der Niederlande aufzeigen, was aber nur bedingt gelungen ist.

Durch die vielen Grachten und die vielen Bäume ist Amsterdam auch eine sehr schöne Stadt. Man kann lesend in idyllischen Ecken am Wasser sitzen. Da stört es auch nicht, wenn manche Häuser schon ziemlich schief auf ihren Holzpfählen stehen. In einigen Straßen fühlt man sich an Manhattan erinnert (Village!) und kann nun besser verstehen, dass New York einmal als „New Amsterdam“ angefangen hat. Manche Plätze rufen Assoziationen zum Quartier Latin wach. Wird sicher nicht meine letzte Reise in diese Stadt gewesen sein.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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