Goethe: Briefwechsel mit Schiller 1794-1797 [2.]

Münchner Ausgabe Band 8

Auf der Rangliste meiner Lieblingsbücher steht dieser Briefwechsel weit oben. Das liegt nicht nur am erstrangigen geistes- und literaturgeschichtlichen Quellenwert des Buches. Es ist auch ein intellektuelles Lesevergnügen ersten Ranges und ein Höhepunkt der klassischen Briefkultur.
Der Briefwechsel setzt 1794 ein, kurz nach dem ersten Treffen. Schiller versucht Goethe erfolgreich für eine Mitarbeit an den „Horen“ zu gewinnen, der Zeitschrift der Weimarer Klassik. Goethe sagt zu und es entspinnt sich eine zunehmend dichte Korrespondenz. Für die Nachwelt ist es ein großes Glück, dass Schiller nie dauerhaft nach Weimar zog, sondern in Jena blieb.
Man erfährt eine Menge über die Alltagskultur der Zeit, noch mehr über den Literaturbetrieb. Da immer wieder Angelegenheiten rund um die Horen besprochen werden, bekommt man interessante Einblicke ins Redaktions- und Verlagsleben der Epoche. Literarische Höhepunkte sind die detaillierten Diskussionen über ästhetische Prinzipien und vor allem der Austausch über einzelne Werke. In den ersten fünf Jahren des Briefwechsels ragt hier „Wilhelm Meisters Lehrjahre“ heraus. Goethe schickt an Schiller die neuen Bücher des Romans als Manuskript. Dieser schreibt dann seine Eindrücke und Ratschläge an Goethe, eine Art Freundschafts-Lektorat. Amüsant ist die Meta-Diskussion literarische Feindschaften betreffend, es sind ja auch die Xenien in dieser Zeit entstanden.
Selbstverständlich gewinnt man zusätzlich einen authentischen Eindruck vom Charakter der beiden Protagonisten. Schillers stoischer Umgang mit seinen Krankheiten und Goethes Hang zur Eitelkeit seien als Beispiele genannt. Goethes Schwächen treten auch immer wieder hervor, etwa sein mangelndes Verständnis für naturwissenschaftliche Sachverhalte.
Auch bei der zweiten Lektüre ein großartiges Buch. Die zweite Hälfte des Buches werde ich in diesem Jahr auch noch einmal lesen.

Zweite Hälfte

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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