Reise-Notizen Italien (4): Neapel und Paestum

Nach Rom fuhr ich im Mai also nach Neapel. Ein Abstecher nach Monte Cassino bot sich bei dieser Route an. Dort ist man freilich zur Gänze auf den genius loci angewiesen, denn nach dem zweiten Weltkrieg blieb von der historischen Substanz kaum etwas übrig. Dem restaurierten Kloster fehlt jedes historische Flair und abgesehen von der beachtlichen Aussicht sowie einigen fantastischen Buchmalereien im Museum gibt es nichts Sehenswertes.

Neapel ist eine der ambivalentesten europäischen Großstädte, die ich bisher sah. Sehr viel Heruntergekommenes und Abstoßendes einerseits, eine charmante Altstadt mit viel Atmosphäre und überraschend spektakulären Ausblicken auf Golf und Vesuv andererseits. Anders als zur Zeit Goethes und Seumes kommt man heute sehr leicht auf den Vesuv: Man fährt auf einen Parkplatz unterhalb des Kraters und geht dann noch eine gute halbe Stunde hinauf. Die Rundumsicht ist spektakulär und natürlich hat man einen vielsagenden Blick auf Pompeji, von dem in der nächsten Reise-Notiz ausführlicher zu sprechen sein wird.

Kultureller Höhepunkt in der Stadt ist das Archäologische Museum, das jeder Freund der Antike einmal besucht haben sollte. Neben der großartigen Farnese Sammlung mit berühmten römischen Kopien griechischer Skulpturen (die Tyrannenmörder Harmodios und Aristogeiton; Doryphoros…) gibt es viele exzellent erhaltene Mosaike aus Pompeji, darunter das berühmte große Alexandermosaik, die Ikone des Hellenismus. Exzellent ist auch die römische Malerei.

Der Weg nach Paestum war reichlich mit wilden Mülldeponien an den Rändern von Siedlungen gekennzeichnet. Ich fühlte mich buchstäblich an die entlegeneren Provinzen in China erinnert, die ich letztes Jahr bereiste. In Paestum kann man neben Athen und Südsizilien die besterhaltenen altgriechischen Tempel bewundern. Damit nicht genug, gibt es ein kleines Museum von beachtlicher Größe. Meines Wissens der einzige Ort, wo man original altgriechische Malerei sehen kann.

Eine Antwort auf Reise-Notizen Italien (4): Neapel und Paestum

  • Paestum sagt:

    Die Griechischen Tempel von Paestum sind auf jeden Fall eine Reise wert vor allem,wenn man schon in Neapel ist. Ich war vor 3 Jahren das erste mal in Neapel und die Einheimischen dort empfahlen mir den Cilento und die Orte Paestum und Palinuro.Wunderschön kann ich nur sagen,Bin seitdem einmal im Jahr dort!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Aktuell in Arbeit

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Kategorien

Tweets