Wilhelm Genazino: Abschaffel

Wie ungerecht literarischer Ruhm verteilt sein kann, sieht man an Wilhelm Genazino. Seine Abschaffel-Trilogie erschien bereits Ende der siebziger Jahre, einem größeren literaturinteressierten Publikum wurde er aber erst 2004 bekannt als ihm, längst überfällig, der Georg-Büchner-Preis verliehen wurde.

„Abschaffel“ gehört zum Genre des Angestelltenromans und hat deshalb einige Gemeinsamkeiten mit Werners „Zündels Abgang“. Letzterer ist allerdings deutlich furioser als Genazinos literarische Verarbeitung des tristen Lebens eines kaufmännischen Angestellten. Der Romanbeginn verdient ein Zitat:

Weil seine Lage unabänderlich war, musste Abschaffel arbeiten.

Der Leser begleitet Abschaffel durch dessen deprimierenden bis grotesken Alltag. Genazinos größte literarische Stärke, die intelligente Beobachtung des Alltäglichen, ist bereits weit ausgeprägt. Nicht so brillant vielleicht wie in seinen letzten Büchern, aber doch ein großes Lesevergnügen.

Wilhelm Genazino: Abschaffel (Hanser)

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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