Reise-Notizen: Budapest

Seit Freitag bin ich nun bereits in Budapest, zum ersten Mal seit bald 20 Jahren, obwohl es mit dem Zug von Wien aus nicht umständlicher zu erreichen ist als Salzburg. Geplant war ein laues Frühlingswochenende, herausgekommen ist eine winterliche Städtereise.

Budapest erinnert in vieler Hinsicht an Wien, Kakanien grüßt an vielen Ecken. Legt man freilich die nach oben offene Urbanitätsskala an die Stadt an, hat sie Wien im Moment wenig entgegenzusetzen. Die Ungarische Nationalgalerie liegt malerisch auf dem Burghügel über der Donau. An dieser Stelle sei angemerkt, dass der mitten durchs Zentrum führende Fluss viel zum Flair der Stadt beiträgt. In diesem Punkt ist Wien weit abgeschlagen, wo die Donau ja bekanntlich weit von der Innenstadt entfernt fliesst, was auch der pittoreske Donaukanal nicht wett macht. Weite Teile der Donau in Budapest sind dafür in den Händen der Autofahrer und ich frage mich einmal mehr, warum man die Straßen direkt am Flussufer baut anstatt hier Promenaden zu planen.

Die Nationalgalerie umfasst eine große Sammlung ungarischer Kunst vom Mittelalter bis zur Gegenwart und ließ mich etwas ratlos zurück. Das hat freilich vor allem mit meinem mangelndem Wissen über die Geschichte Ungarns zu tun, bezieht sich die Kunst seit der Neuzeit doch stark auf den historischen Kontext. Stilistisch betrachtet findet man eigene gewöhnungsbedürftige Eigenheiten, kann aber die Koppelung an die europäischen Kunstströmungen unschwer erkennen. Im Vergleich zur österreichischen Malerei des 19. Jahrhunderts stachen verstärkte sozialkritische Motive ins Auge. Interessant auch die Avantgarde nach 1945, die trotz Eisernen Vorhang eine Reihe innovativer Werke hervorbrachte.

Zu Hause fühlte ich mich dagegen wieder bei der Kunst des Mittelalters, die sich in Zentraleuropa durch eine vergleichsweise homogene Ästhetik auszeichnet, sowie speziell bei der Spätgotik, wo einige sehr schöne Stücke zu sehen sind.

Ganz in meinem Element war ich heute allerdings im „Museum of Fine Arts„, wie die offizielle Übersetzung lautet, das eine sehr umfangreiche internationale Kunstsammlung beeinhaltet. Zugegeben, die äyptische und die antike Sammlung ist sehr überschaubar, wobei bei der griechischen Kunst vieles aus den süditalienischen Kolonien (Apulien) stammt, was man nicht so oft zu sehen bekommt. Ansonsten gibt es viele Meisterwerke aus allen Epochen zu sehen, erwähnt seien eklektisch Bilder von Giotto, Duccio, Cranach, Dürer, Bruegel (alt und jung), Giorgine (!), Raphael, Titian und viele andere mehr. Ungewöhnlich umfangreich ist die Sammlung spanischer Malerei, davon eine Reihe El Grecos, von dem es im Kunsthistorischen Museum in Wien nichts zu sehen gibt. Alleine diese Gemäldesammlung lohnt eine Reise nach Budapest!

Als Draufgabe gibt es derzeit noch eine großartige Sonderausstellung zu sehen, „The Splendour of the Medici. Art and Life in Renaissance Florence„. In einer Mischung aus chronologischer und thematischer Herangehensweise werden eine Fülle erstklassiger Exponante präsentiert.

Kunsthandwerk aus Florenz, zeitgenössische Dokumente (darunter Meisterwerke der Buchkunst!), eine Menge an hochkarätigen Gemälden und Zeichnungen (Raffael, Leonardo, Michelangelo…), so dass sich ein atmosphärisch rundes Bild ergibt. Der Audioguide ist ausgezeichnet (auf Englisch im schönsten hochnäsigen Oxford English gesprochen), so dass es ein erstklassiges Erlebnis war. Florenz war sehr spendabel, was die Leihgaben angeht, so ist vieles aus den Uffizien ausgestellt.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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