Thomas Mann: Joseph, der Ernährer

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Der letzte Band der Tetralogie setzt Thomas Manns literarische Verarbeitung des Bibelstoffs auf hohem literarischen Niveau fort. Die Verknüpfung zwischen mythologischen ägyptischen Elementen und der Josephsgeschichte wird beinahe schon zu routiniert abgewickelt.
Josephs tiefer Fall ins Gefängnis, die anschließende Karriere zum Stellvertreter des Pharao und das Wiedersehen mit seinen Brüdern und Jaakob sind an sich bereits eine literarisch ergiebige Geschichte, und Mann holt mit Hilfe seiner Erzählkunst erwartungsgemäß das Optimale aus ihr heraus. Echnatons (aus orthodoxer Sicht) ketzerischer monotheistischer Glaube bietet naturgemäß viele religiöse Anknüpfungspunkte.

Auch im vierten Teil gibt es wieder sehr gelungene Figuren. Mai-Sachme etwa, der Aufseher der Gefängnisinsel, der sich mehr für seine literarischen und medizinischen Projekte als für seine administrativen Tätigkeiten interessiert, und den Joseph später zu seinem Haushaltsvorstand machen wird.

Die Tetralogie gehört zweifellos zu den besten Werken Thomas Manns und man sollte sich von deren Länge auf keinen Fall von der Lektüre abhalten lassen. Allerdings sollte man sich vorher etwas mit der Mythologie Ägyptens beschäftigen. Im Idealfall bereitet man sich mit einer Ägyptenreise auf dieses Lesererlebnis vor.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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