Wagner: Die Walküre

WienerStaatsoper 9.12.

Inszenierung: Sven-Eric Bechtolf
Dirigent: Franz Welser-Möst
Siegmund, ein Wälsung: Johan Botha
Hunding, Verbündeter des Geschlechts der Neidinge: Walter Fink
Wotan, der Göttervater: Juha Uusitalo
Sieglinde, Siegmunds Schwester, Hundings Frau: Nina Stemme
Brünnhilde, Wotans Tochter, Walküre: Eva Johansson
Fricka, Wotans Gattin, Göttin der Ehe: Michaela Schuster

Eine Woche hatten alle Beteiligten Zeit, ihre verlorenen Stimmen wiederzufinden. Die Premiere am 2. Dezember war vom Pech verfolgt: Uusitalo versagte die Stimme und ein kurzfristig eingesprungener Ersatz sang die Rolle vom Rand aus.

Die dritte Aufführung der lang erwarteten Neuinszenierung durch Sven-Eric Bechtolf verlief ohne musikalische Pannen. Zwar hatte Wotan am Ende Probleme und auch Brünnhilde war keine Referenz, der Abend war aber akzeptabel. Dazu trug nicht zuletzt ein fulminanter Botha bei, dessen Sigmund zwar einige lyrische Nuancen vermissen ließ, den ersten Aufzug aber ebenso brillant sang wie Nina Stemme. Walter Fink als Hunding hielt nicht nur ausgezeichnet mit, sondern hatte auch eine ungewöhnlich starke Bühnenpräsenz.

Wie ist nun die Inszenierung gelungen, mit der wir hier in Wien nun viele Jahre leben müssen? Es ist kein großer Wurf geworden. Bechtolf ging die Angelegenheit sehr vorsichtig an. Das wäre nicht zwangsläufig schlecht. Seine wenigen Regieeinfälle jedoch (Götter, die mit Puppen hantieren) oder ein ausgestopfter Wolf als Requisit (Wölfing!) sind vergleichsweise plump. Wagners Ring ist eines der symbolmächtigsten Kunstwerke der abendländischen Kulturgeschichte! Da ist es mit ein paar platten Symbolen auf der Bühne nicht getan, wenn man einigermaßen auf Augenhöhe zum Werk inszenieren will.

Zumindest stört die Regie nicht weiter, und das ist mehr als man in vielen Fällen sagen kann. Operngeschichte wird mit diesem Ring (man denke an die grandiose Kombination von Gustav Mahler und Alfred Roller vor einem Jahrhundert im selben Haus) wohl nicht geschrieben werden.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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