Stift Melk (10.10.)

Das als „Perle des Barock“ viel gepriesene Stift lohnt in der Tat einen Besuch. Neben erstklassiger Barockarchitektur bekommt man auch ein Lehrstück an ideologischer Geschichtsauffassung geboten, wie man es von der Kirche erwarten darf. Eine Führung durch die Anlage beginnt nach der Kaiserstiege in einer Art Geschichtsmuseum. Dieses führt den Interessenten in manchen Teilen eine (sagen wir) „extravagante“ Geschichtsauffassung vor Augen. So findet an einer Wandtafel „Abstieg im 14. Jahrhundert“ die gewagte Zusammenfassung „Päpste unter dem Diktat der französischen Könige“. Als hätte sich der Klerus nicht wunderbar in Südfrankreich eingerichtet und sich lange gesträubt in das damals vergleichsweise bescheidene Rom zurückzukehren. Amüsant auch folgende Texttafel über das 18. Jahrhundert:

Textkritik der Heiligen Schrift =
wissenschaftlicher Aufschwung.
Die Bibel wurde immer wichtiger.

Ganz so als hätte man damals mit großer Freude die kritischen Bibelausgaben begrüßt. In Wahrheit war natürlich das Gegenteil der Fall (siehe Notiz über Bart Ehrman weiter unten).
Höhepunkt der Besichtigung ist die großartige Bibliothek, welche alleine schon den Besuch verlohnt. Für Germanisten wird als Zusatzattraktion das neu entdeckte Fragment des Nibelungenlieds ausgestellt.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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