Shakespeare: König Lear

Burgtheater 13.10.
Regie: Luc Bondy
Lear, König von Britannien: Gert Voss
König von Frankreich: Roch Leibovici
Herzog von Burgund / Oswald: Markus Hering
Herzog von Cornwall: Johannes Krisch
Herzog von Albany: Gerd Böckmann
Graf von Gloster: Martin Schwab
Graf von Kent: Klaus Pohl
Edgar, Glosters Sohn: Philipp Hauß
Edmund, Glosters Bastard: Christian Nickel
Der Narr: Birgit Minichmayr

Man freut sich heutzutage, wenn man gelegentlich ein komplettes Stück sehen kann, das nicht durch Kürzungen auf die Hälfte zusammengestrichen wurde. Luc Bondy lieferte erwartungsgemäß eine klassische Inszenierung ab, was einen Theaterabend von etwa viereinhalb Stunden ergibt. Die Schauspieler fügen sich ausgezeichnet in dieses Konzept ein. Gert Voss spielt den Lear wie große alte Schauspieler den Lear zu spielen pflegen: handwerklich glänzend und mit vollem Einsatz. Ihm zur Seite gibt Birgit Minchmayr einen fulminanten Narren. Auch der Rest des Ensembles agierte, wie man es vom Burgtheater erwarten darf.

Der Learstoff kommt aus der Märchenwelt, was man gegen zu viel Realismus als Einwand vorbringen könnte, denn Luc Bondy geht seine Sache mit blutigem Ernst an. Mit Ausnahme der Sturmszene gibt es wenige ironische Brechungen. Grausamkeiten werden ebenso sorgfältig ausgespielt wie die zahlreichen Todesszenen. So werden die Augen des Graf von Gloster mit so viel Bühnenblut auf der Bühne ausgestochen, dass so mancher Fan von Splattermovies seine Freude daran hätte. Gestorben wird quälend langsam, was an einigen Stellen die Grenze zum Komischen überschreitet. Etwas weniger Pathos hätte die Inszenierung ästhetisch deutlich aufgewertet.

Diese Kritik ändert aber nichts daran, dass es sich insgesamt um eine sehr gelungene Klassikeraufführung handelt.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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