Reise-Notizen London (1): British Museum

London ist immer ein attraktives Reiseziel, trotzdem war das British Museum mit seinen antiken Schätzen der Hauptgrund für diese Reise. Zwei Mal sechs Stunden verbrachte ich dort (zwei Mal sechs Tage wären angemessen) und legte den Schwerpunkt auf die altorientalische, griechische und römische Antike. Kennt man die bildungsfeindliche Museumspolitik in Wien (Eintrittspreise von 8-10 Euro für die großen Häuser) erstaunt es gleich zu Beginn sehr, dass die staatlichen Museen an der Themse keinen Eintritt verlangen. Ob dies nun einer progressiven Bildungspolitik oder dem schlechten Gewissen bezüglich der ertragreichen Raubzüge des Empire‘ geschuldet ist: das Ergebnis ist erfreulich.

Antiker Höhepunkt sind selbstverständlich die Elgin Marbles, also die von Lord Elgin von der Akropolis nach London gebrachten Skulpturen des Parthenon. Damit fehlt dem Athenbesucher eines der größten altgriechischen Kunstwerke vor Ort, weshalb man zusätzlich nach England reisen muss, wenn man sich ein komplettes Bild von der Akropolis machen will. Die Skulpturen selbst sind leider in einem schlechten Zustand. Viele wurden bei einer Explosion 1687 beschädigt: Die Osmanen verwendeten den Tempel sinnigerweise als Munitionslager und ein Artillerieoffizier Venedigs erwarb sich durch einen zielgenauen Treffer Verdienste für die Ewigkeit…

Trotzdem wird das ikonographische Programm des Frieses sehr anschaulich, wenn man den Audioguide des Museums und seine Fantasie zu Hilfe nimmt. Besonders eindrücklich sind die ebenfalls beschädigten Giebelskulpturen und die ausdrucksstarke Metopen.
Die übrige altgriechische Sammlung sollte aber nicht vernachlässigt werden. Es gibt repräsentative Kunstwerke jeglicher Art und auch aller wichtigen geographischen Regionen (Süditalien, Zypern …). Erwähnen möchte ich noch das rekonstruierte Grabmal aus Xanthos (Südwest-Türkei) und die Kunstwerke aus Halikarnassos.

Großartig auch die assyrischen Palastreliefs, speziell die dargestellte Löwenjagd, und die umfangreichen Sammlungen aus Mesopotamien. Das British Museum ist eine begehbare Kulturgeschichte der Menschheit. Es gibt keinen Bereich der nicht zumindest exemplarisch vertreten wäre: Afrika, Amerika, Asien (China, Japan, Korea, Südostasien), Europa (bis ins 19. Jahrhundert) und natürlich besonders ausführlich England. Ohne Zweifel eines der besten Museen der Welt, was auch für die Didaktik der Präsentation gilt sowie für die beeindruckende architektonische Umsetzung (Great Court, Library).

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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