Tolstoj: Sämtliche Erzählungen Band 1

Insel Taschenbuch (Amazon Partnerlink)

Tolstojs Erzählungskunst lernte ich bereits zu Beginn meiner Lesekarriere schätzen, speziell „Anna Karenina“, das ich in absehbarer Zeit ein zweites Mal lesen will. Seine „großen“ Erzählungen las ich bereits, will dieses Lektüre aber nun komplettieren. Dazu eignet sich die bei Insel erschienen fünfbändige Ausgabe vorzüglich.

Der erste Band enthält das erzählerische Frühwerk, was sich vor allem daran zeigt, dass Tolstoj seine eigenen Kriegserlebnisse literarisch aufarbeitet. Dabei beschönigt er den Krieg in keiner Weise. Die Grausamkeit des Schlachtfeldes, die Langeweile des Wartens und die Eitelkeit des Soldatenstandes werden realistisch geschildert. Dazu passt auch die berühmte Formulierung am Ende der Erzählung „Sewastopol im Mai 1855“:

Der Held meiner Erzählung, den ich mit allen Kräften meiner Seele liebe, den ich mich in seiner ganzen Schönheit darzustellen bemühte, der immer schön ist, war und sein wird – ist die Wahrheit.

[S. 216]

Vieles ist psychologisch noch nicht so subtil wie in seinen reiferen Werken. Seine realistische Ästhetik ist aber bereits voll ausgeprägt. Er verfeinerte und perfektionierte sie im Laufe der Zeit, aber es gab keine grundsätzlichen Neuerungen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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