Shakespeare: Maß für Maß

Burgtheater 1.5.
Regie: Karin Beier
Vincentio: Tilo Werner
Angelo: Nicholas Ofczarek
Escalus: Michael Wittenborn
Claudio: Simon Eckert
Isabella: Christiane von Poelnitz

Der Shakespeare-Zyklus des Burgtheaters ist bisher kein Glanzlicht der Theaterkunst und erreicht mit dieser Inszenierung einen neuen Tiefpunkt. Karin Beier, die Shakespeare in Interviews gerne ausrichten lässt, seine Werke hätten dramaturgische Schwächen, zu deren Überwindung sie aktiv beitragen müsse, hätte sich besser um ein grundlegendes Verständnis seiner Ästhetik bemüht. Dann wüßte sie nämlich, dass man die Ortsangaben in seinen Stücken (in diesem Fall: Vienna) auf keinen Fall wörtlich nehmen darf.

Genau darauf (und nur darauf!) basiert ihr Regiekonzept: Die Rüpelszenen des Originals werden durch neu geschriebene Szenen aus dem Wiener Rotlichtmilieu ersetzt. Das ist durchaus witzig geworden und bietet dem (dankbaren!) Publikum eine seltene Gelegenheit, ihre Burgschauspieler hemmungslos beim Herumblödeln zuzusehen. Wie aus einem anderen Stück wirken dann Nicholas Ofczarek und Christine von Poelnitz, wenn die beiden wie große Tragöden den Haupthandlungsstrang von „Maß für Maß“ spielen. Keine Klammer hält diese divergenten Bereiche zusammen. Ein unterhaltsamer Theaterflop für Freunde der höheren Blödelei.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets