Shakespeare: Julius Caesar

Burgtheater 19.3.
Regie: Falk Richter
Julius Caesar: Peter Simonischek
Octavian, Triumvir nach Caesars Tod: Moritz Vierboom
Marc Anton, Triumvir nach Caesars Tod: Michael Maertens
Ämilius Lepidus, Triumvir nach Caesars Tod: Ronald K. Hein
Marcus Brutus, Verschworener gegen Julius Caesar: Roland Koch
Cassius, Verschworener gegen Julius Caesar: Ignaz Kirchner
Casca, Verschworener gegen Julius Caesar: Cornelius Obonya

Es ist nicht einfach, diese Inszenierung auf einen Nenner zu bringen. „Julius Caesar“ gilt als notorisch schwieriges Bühnenstück, was mit der Konzeption des Dramas eng zusammenhängt: Es gibt eine Reihe von wichtigen Figuren, keine davon steht wirklich im Zentrum, auch Caesar nicht. Liest man das Stück, trägt diese Ambivalenz maßgeblich zur literarischen Qualität bei, speziell in Kombination mit der offenen Bewertung der Protagonisten. Shakespeare überzieht sein Drama mit vielen Grautönen: Weder ist Caesar als machtgieriger Tyrann dargestellt noch Brutus als strahlender Freiheitsheld. Die ethische und politische Komplexität des Themas wird so herausgearbeitet, dass es auch heute noch modern wirkt. Aus handwerklicher Sicht schränkt das aber ebenso die Bühnentauglichkeit ein wie die strukturell „losen“ letzten beiden Akte nach den beiden Höhepunkten im dritten Akt: Die Ermordung Caesars und die demagogische Rede Marc Antons.

Richter zieht in seiner Regie Analogien zur modernen Mediengesellschaft und deren negative Implikationen auf demokratische Verhältnisse. Nicht nur die alten Römer waren wankelmütig und leicht zu beeinflussen, auch der vermeintlich mündige Bürger heute lasse sich leicht von den Medien manipulieren. Das ist durchaus plaubsibel und Richter bringt das auch anschaulich auf die Bühne. Nur reicht dieses „schmalspurige“ Konzept nicht aus, um durch das ganze Stück zu tragen.

Die schauspielerische Leistung ist durchschnittlich, weder besonders inspiriert noch negativ auffallend, sieht man einmal vom Ende der Massenselbstmorde ab, das einen etwas schalen Nachgeschmack hinterlässt.
Zusammenfassend keine Glanzleistung der Theaterkunst, aber ich würde auch nicht davon abraten, sich die Inzenierung anzusehen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Kategorien

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Aktuell in Arbeit

Tweets