Empfehlungen (5): Committee for Skeptical Inquiry und Skeptical Inquirer

Wer mit offenen Augen durchs Leben geht, kann sich der Tatsache nicht verschließen, dass der Aberglaube (weniger freundlich formuliert: die Dummheit) in allen seinen Formen immer noch fröhliche Urstände feiert. Erfreulicherweise findet das in Europa mehr im Privaten und nur noch selten im Staatlichen seinen Niederschlag. Das fängt bei der Esoterik in allen ihren Manifestionen an. Wundersteine verkaufende Esoterikläden, Regale mit Büchern über nicht-existierende Energiefelder oder Seminare zu den neuesten Psychomoden… Weiter geht es mit der sogenannten „Alternativmedizin“, die im besten Fall mit Placebos nicht schadet und im schlimmsten Fall Menschen mit schweren Krankheiten mangels adäquater Therapie ums Leben bringt, nach Bezahlung der saftigen Rechnungen, versteht sich.

Nimmt man doch die vergleichsweise harmlosen Hobbys wie „Ufologie“, „Wahrsagerei“ oder „Astrologie“ hinzu, sollte man eine ausreichende Vorstellung von diesen die menschliche Intelligenz beleidigenden Aktivitäten haben.
Meine Hochachtung galt immer schon jenen, die sich dieses Unsinns wissenschaftlich annehmen, um ihn zu widerlegen. Wer weiß, wie schnell eine dumme Behauptung aufgestellt ist, und wie langwierig es sein kann, diese nach den Regeln der Wissenschaft zu widerlegen, dem wird schnell der Mythos des Sisyphos in den Sinn kommen.
Paul Kurtz gründete 1976 das „Committee for the Scientific Investigation of Claims of the Paranormal“ in den USA. Dessen Ziel war es unter anderen, der unkritischen Wiedergabe von „paranormalen“ Behauptungen in den Medien, eine kritische Perspektive gegenüber zu setzen. In den nachfolgenden Jahren konnten eine Reihe dieser populären Mythen widerlegt und/oder durch wissenschaftliche Erklärungen ersetzt werden. Mehr zur Geschichte des CSICOP findet sich im Wikipedia-Artikel (zumindest in der Fassung vom 4.2. 07 um 15:24 Uhr :-) Kürzlich benannte sich die Organisation in „Comittee for Skeptical Inquiry“ (CSI) um. Es gibt auch eine deutsche Schwestergesellschaft, die „Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften“.

CSI gibt nun eine zweimonatlich erscheinende Zeitschrift heraus, die ich speziell empfehlen will: Den „Skeptical Inquirer“ mit dem sprechenden Untertitel „The Magazine of Science and Reason“. Geboten werden neben kurzen Artikeln über die jüngsten Absurditäten der Esoterikzunft auch viele zu wissenschaftlichen Themen allgemein sowie zu wissenschafts- und erkenntnistheoretischen Fragestellungen. Erfrischend ist, dass regelmäßig auch die eigene Weltanschauung skeptisch hinterfragt wird, etwa wenn vor den eingefahrenen Bahnen des Wissenschaftsbetriebs zuungunsten neuer Theorien gewarnt wird, oder Autoren darauf hinweisen, dass Poppers „Conjectures“ einen ebenso wichtigen Stellenwert in dessen Erkenntnistheorie besitzen als die viel berühmteren „Refutations“ (Falsifizierungen), um einen seiner Buchtitel zu zitieren.
Der Skeptical Inquirer kann für wohlfeile 23 Euro (inklusive Porto nach Europa) abonniert werden.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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