Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt. Roman

Es gibt manche Bücher, die ich aus „Metainteresse“ lese, weil so viel über sie geredet und geschrieben wird. Kehlmanns Roman zählt zu diesen, auch wenn ich ihn genaugenommen gehört habe. Kompetent gelesen von Ulrich Matthes.

Wie wohl hinreichend bekannt, beschreibt das Buch die kontrastreichen Biographien von Alexander Humbold und Carl Friedrich Gauß. Beide herausragende Wissenschaftler mit einem großen Interesse an der „Vermessung der Welt“. Gauß reiste als begegnadeter Mathematiker kaum, ein klassischer Stubengelehrter, wohingegen Humboldt als Weltreisender seiner wissenschaftlichen Leidenschaft nachgeht.

Das ist eine nette Idee für einen historischen Roman und zu Beginn liest er sich auch durchaus unterhaltsam. Danach nahm mein Interesse aber aus zwei Gründen rapide ab. Erstens ist der Text künstlerisch nicht sehr ergiebig. Genau und unterhaltsam erzählt, ja, aber unter dieser glatten Oberfläche gibt es wenig ästhetische Substanz. Substanz gibt es auch nur wenig in intellektueller Hinsicht, womit der zweite Grund schon genannt ist. Brav zählt Kehlmann etwa die mathematischen Geniestreiche Gauß‘ auf, ohne sie jedoch ausreichend zu reflektieren. Man denke nur daran, welche geistigen Funken Robert Musil aus dem Thema der Mathematik geschlagen hat. Auch sonst wird der zeitgenössische Stoff brav vorhersehbar abgearbeitet. Sogar die vielzitierten Zahnschmerzen haben ihren Auftritt.

Kein großes Kunstwerk also, aber ein doch ganz unterhaltsames Buch. Für richtige Leser nur bedingt geeignet.

Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt (Hörbuch)

Eine Antwort auf Daniel Kehlmann: Die Vermessung der Welt. Roman

  • Ritchie sagt:

    So was – da sind wir uns ja mal wieder vollkommen einig. Ich bin manchmal ein richtiger Leser (großartige Formulierung) und häufig ein Trashionado. Was ich nicht mag, und das wäre meine Kehlmann-Minimalreview, ist halbgare Bemühtheit.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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