Mozart: Die drei letzten Sinfonien

Theater an der Wien 6.12.
Wiener Philharmoniker
Simon Rattle

Eine höchst extravagante Interpretation der letzten Mozart-Sinfonien war am Mittwoch im Theater an der Wien zu hören. Offenbar wollte Rattle um jeden Preis etwas Originelles zu Gehör bringen. Bei der Es-Dur Symphonie ziselierte er jede Feinheit so gemächlich heraus, dass es wie eine seltsame Mischung der Stile von Harnoncourt und Celibidache klang. Rattle überdehnte den Tempobogen teilweise so stark, dass Mozart nicht mehr nach Mozart klang.

Nun ist eine neue Hörperspektive auf das Repertoire durchaus zu begrüßen, wird man dadurch doch aus den gängigen Wahrnehmungsmustern gerissen. Außerdem bin ich generell ein Freund des künstlerischen Wagemuts: Spielt man auf Sicherheit, ergibt dies meist keine musikalischen Offenbarungen, während ästhetisches Risiko oft (nicht immer) belohnt wird.

So weiß ich Rattles Versuch durchaus zu schätzen, obwohl er misslungen ist. Die beiden letzten Sinfonien waren weniger radikal interpretiert, die Jupiter-Sinfonie klang vergleichsweise traditionell. Durch diese Entwicklung bekam der Abend im Rückblick etwas Uneinheitliches. So viel ist sicher: Rattle hat „seinen“ Mozart noch nicht gefunden und wird weiter daran arbeiten müssen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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