Mozart: Cosi fan tutte

Theater an der Wien 25.11.
Musikalische Leitung; Daniel Harding
Inszenierung: Patrice Chéreau
Mahler Chamber Orchestra
Arnold Schoenberg Chor (Ltg. Erwin Ortner)
Fiordiligi: Erin Wall
Dorabella: Hannah Esther Minutillo
Guglielmo: Stéphane Degout
Ferrando: Shawn Mathey
Despina: Marie McLaughlin
Don Alfonso; Ruggero Raimondi

Vor knapp einem Jahr sah ich „Cosi fan tutte“ in der Staatsoper Unter den Linden, witzig in die sechziger Jahre verlegt durch Doris Dörrie. Chéraus Regiestil dagegen ist klassisch: Vor einem vergleichsweise kahlen Bühnenbild, auf das die Requisten bei Bedarf von Statisten getragen werden, wird die Oper in zeitgenössischen Kostümen gegeben. Das klingt verzopfter als es ist, denn inszeniert ist es als „Schauspieler-Komödie“ nach allen Regeln der Kunst. Das Libretto lebt auch ohne „orignelle“ Regieeinfälle, was mit dieser Aufführung einmal mehr bewiesen ist. Diese Produktion war bereits während der Wiener Festwochen zu sehen und wurde mit dem Festival d’Aix-en-Provence koproduziert.

Die Oper wird in der Langfassung mit allen Arien und Wiederholungen gegegeben, was im letzten Drittel etwas ermüdet. Das liegt naturgemäß nicht an Mozarts Musik, sondern hat dramaturgische Gründe: Das Stück schaltet für zu lange Zeit mehrere Gänge zurück, was bei einer temporeichen Komödie strukturell nicht ideal ist.

Musikalisch gab es wenig auszusetzen. Erin Wall ließ vor Beginn Indisponiertheit verkünden, sang aber trotzdem passabel. Ebenso die beiden männlichen Protagonisten des Treuetests Degout und Mathey. McLaughlin als Despina war großartig, eine Ideale Kombination aus Gesangs- und Schauspielkunst. Letztere war für eine Oper ohnehin auf ungewöhnlich hohen Niveau.

Das Mahler Chamber Orchestra gab sich Mühe, keinen 0815-Mozart aus dem Bühnengraben ertönen zu lassen. Sieht man von einigen Patzern der Bläser an „kammermusikalischen“ Stellen ab, wurde auch hier überdurchschnittliches geboten. Sollte das Theater in der Wien in Zukunft regelmäßig Aufführungen auf diesem Niveau bieten, wäre das definitiv eine Bereicherung der Wiener Opernlandschaft.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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