Die Bibel in gerechter Sprache?

Als ich zum ersten Mal von diesem Projekt vernahm, hielt ich es für einen schlechten Scherz. Ausgangsthese des Projekts ist die Behauptung, dass es einem guten Gott vor allem um Gerechtigkeit ginge, weshalb man die Bibel auch als einen gerechten Text verstehen müsse. Wer die Bibel kennt, sieht sofort, dass es sich hier um ein absurdes Anliegen handelt. Selbst wenn man davon absieht, dass man mit der Prämisse das Theodizee-Problem unreflektiert vom Tisch wischt, ist die Übertragung moderner politischer Konzepte qua Übersetzung auf alte Bücher hochgradig unverfroren: Der kompetente Leser wird durch philologisch falsche Übersetzungen entmündigt, der Laie wird durch sie bewusst in die Irre geführt. Also ob der Reiz der Bibellektüre nicht eben in der Disparatheit und Ferne der Texte liege.

In der aktuellen NZZ bringt Ingolf D. Dalferth in einem ausführlichen Artikel eine Reihe von Beispielen für die Fragwürdigkeit der neuen Übersetzung.

Aus religionskritischer Perspektive betrachtet, schneidet das Projekt nicht besser ab: Die unschönen Seiten der antiken Religionen und speziell des Christentums werden durch fragwürdige Übertragungen kaschiert: Das ist Gegenaufklärung par excellence. Die Damen und Herren könnten sich jetzt gleich den Koran vornehmen, und die Regeln der Scharia etwas „gerechter“ übersetzen. Die Grausamkeit des islamischen Strafrechts muss ja nicht gleich ins Auge stechen …

Bei dieser Gelegenheit sei noch einmal auf die Neuausgabe der besten (weil „wörtlichsten) Bibelübersetzung hingewiesen, auf die Elberfelder Bibel.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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