Nestroy: Höllenangst

Burgtheater 23.10.
Regie: Martin Kusej
Adele von Stromberg: Alexandra Henkel
Freiherr von Stromberg: Johannes Krisch
Freiherr von Reichthal: Dietmar König
Von Arnstedt: Denis Petkovic
Von Thurming: Joachim Meyerhoff
Pfrim: Martin Schwab
Eva: Barbara Petritsch
Wendelin: Nicholas Ofczarek
Rosalie: Caroline Peters

Die Theaterkritik feierte diese Inszenierung bereits nach der Premiere bei den Salzburger Festspielen: zu Recht! Martin Kusej ist derzeit wohl der einzige österreichische Regisseur von Weltrang. Persönlich bin ich kein Freund Nestroys und vertrete die häretische Ansicht, dass die ihm hier in Wien entgegen gebrachte Verehrung mehr mit Lokalpatriotismus statt mit validen ästhetischen Urteilen zu tun hat.

Mehr als Kusej aus dieser Posse herausholt, ist nicht möglich. Er lässt sich (wie alle großen Regisseure) auf den Geist des Stückes ein, inszeniert es durchaus „nestroyianisch“ und setzt trotzdem eine Menge witzige Kontrapunkte. Fulminant beispielsweise der Auftritt des „falschen Teufels“, wo sich Kusej augenzwinkernd der Theatermaschinerie bedient: Licht, Sturmmaschine und Nebelwerfer begleiten sein Erscheinen. Diese treffende Mischung aus „Bühnenmittelironie“ und Effekt zeigt, wie souverän dieser Regisseur sein Metier beherrscht.

Schauspielerisch war der Abend durchweg vorzüglich. Martin Schwab als „Pfrim“ ist grandios. Sehenswert ist die Aufführung ohne Zweifel. Man sollte Kusej endlich mal Gelegenheit geben, sich an einem der größeren Brocken des Repertoires zu versuchen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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