Neil LaBute: Some Girl(s)

Akademietheater 27.10.
Regie: Dieter Giesing
Mann: Christian Nickel
Sam: Sylvie Rohrer
Tyler: Johanna Wokalek
Lindsay: Petra Morzé
Bobby: Mareike Sedl

Ich ahnte es schon: Nach einem tollen „Reigen“ und einer brillant inszenierten „Höllenangst“ war es unwahrscheinlich, einen dritten vorzüglichen Theaterabend in Folge zu erleben. Diese statistische Überlegung war korrekt: Es war eine fade Angelegenheit. Wie meistens lag es nicht an den Schauspielern (besser: Schauspielerinnen). Die drei Damen des Abends boten eine beachtliche Leistung. Christian Nickel als intellektueller Exliebhaber verblasste vor dem Elan des weiblichen Ensembles.

Aber das Stück! Man soll verschiedene Kunstformen ja nicht gegeneinander ausspielen, aber das Genre „New Yorker Intellektueller mit Beziehungsproblemen“ zwingt einen zum Vergleich mit den besten Filmen Woody Allens, ein Vergleich bei dem Neil LaButes uninspiriertes Stück noch blasser wird als es bereits von Natur aus ist. Der „Mann“ trifft in vier verschiedenen amerikanischen Städten Ex-Freundinnen zur Aussprache, angeblich um etwaige offene wunde Punkte aus der Vergangenheit zu klären, bevor er sich verheiratet. Die vier Begegnungen verlaufen naturgemäß anders als erwartet. Der Dialog wirft ein paar Pointen ab: Das wars. Während Woody Allen seine Arbeiten mit einer soliden intellektuellen Basis ausstattet, ist „Some Girl(s)“ abgesehen von den Beziehungskisten frei von jeder geistigen Substanz. Das Ergebnis: überflüssiger Edel-Boulevard. Man kann Abende anregender verbringen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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