Wiener Ausstellungen im September

Picasso, Beuys, Deutsche Expressionisten

Wider Erwarten war mein Kunstelan trotz der ausgiebigen Louvreerkundungen in Paris (mehr dazu später) nicht enden wollend, weshalb ich mir während dieser Woche einige Ausstellungen in Wien ansah.

Den Auftakt machte Picasso. Malen gegen die Zeit in der Albertina (bis 7.1.), welche etwa 200 späte Werke nach 1961 präsentiert. Kunstkenner wissen mit welchem Furor und welcher Disziplin Picasso bis zu seinem Tod tätig war. Eine Vielzahl von oft sehr schnell geschaffenen Bildern und Zeichnungen entstand. Dieses Anmalen gegen den Tod ist einerseits beeindruckend, andererseits sind die Ergebnisse aufgrund vieler Ähnlichkeiten auch ermüdend. Man wünscht sich Bilder, für die sich Picasso mehr Zeit für die Gestaltung gelassen hätte. Von Altersweisheit im klassischen Sinn, also einer Auseinandersetzung mit dem Tod, die in Gelassenheit endet, keine Spur. Das empfundene Skandalon des Todes wird durch diese Schaffensweise augenscheinlich. Ein Besuch ist durchaus empfehlenswert.

Das Museum Moderner Kunst zeigt eine Schau über Beuys (bis 29.10.). Eine wenig spektakuläre „Ausstellung“ wird einem hier im Untergeschoss geboten, handelt es sich doch nur um ein Zusammenstellen der ohnehin im Bestand des Hauses vorhandenen Werke. Intendiert war eine Hommage zum zwanzigjährigen Todestag, größere kuratorische Ansprüche sollte man deshalb auch nicht stellen.

Nicht versäumen darf man die Deutschen Expressionisten im Leopold Museum. Da viele der Leihgaben aus der Sammlung Thyssen-Bornemisza in Madrid einflog, die ich letztes Jahr besichtigte, war damit ein unerhofft schnelles Wiedersehen mit einigen dieser expressionistischen Meisterwerke verbunden. Die Ausstellung der rund 130 Gemälde ist überwiegend thematisch gegliedert (z.B. Stadtbilder, Landschaften) was ein interessantes Zusammen-Sehen ermöglicht. Persönlich steht mir die Auseinandersetzung mit urbanen Themen (speziell mit dem Berlin nach dem 1. Weltkrieg) näher als die esoterischen Tiermalerein eines Franc Marc, welcher im Voralpenland der animalischen Einheit mit der Natur nachtrauerte.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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