Wagner: Die Meistersinger

Volksoper 9.9.
Regie: Christine Mielitz
Musikalische Leitung: Leopold Hager
Eva, Pogners Tochter: Barbara Haveman
Hans Sachs, Schuster: Franz Hawlata
Walther von Stolzing: Jeffrey Dowd

Die Spezialität der Wiener Volksoper, neben Staatsoper und neuerdings dem Theater an der Wien das dritte Opernhaus der Stadt, ist eigentlich die leichte Muse. „Märchenhafte“ Operninzensierungen und vor allem Operetten dominieren den Spielplan. Als man gestern nach fünfeinhalb Stunden Oper das Haus verließ, wurde man bereits durch Zigeunerbaron-Anschläge intellektuell belästigt.

Ab und zu geben sie im Haus am Währinger Gürtel jedoch auch Hörenswertes. Dazu gehört diese Meistersinger Inszenierung von der an dieser Stelle vor knapp fünf Jahren schon einmal die Rede war.

Eine solide Regiearbeit mit ironischen Untertönen, aber ohne moderne Elemente, wurde geboten. Musikalisch war der Abend (guter) Durchschnitt, speziell Jeffrey Dowd als Stolzing und Barbara Haveman waren gut bei Stimme. Auch die „kleineren“ Rollen waren gut besetzt. Leider konnte Franz Haweltas Hans Sachs nicht immer mithalten. Im ersten Akt ging er stimmlich fast völlig unter, während er sich im „Kammerspiel“ der folgenden Szenen besser bewährte. Das trübte den Hörgenuss doch deutlich.
Die „Meistersinger“ zählt als Stück eindeutig zu meinen Favoriten. Wagner verwendet eine raffinierte ästhetische Strategie: An der Oberfläche bietet er eine unterhaltsame bis witzige Handlung. Dahinter behandelt er eine Reihe von spannenden Kunstfragen. Tradition trifft auf Innovation, Regelästhetik auf Kreativität durch Abweichung. Diese Metaebene, die natürlich auch autobiographisch motiviert ist, gibt der „volkstümlichen“ Handlung einen wohltuenden Kontrapunkt, ohne jedoch künstlich aufgesetzt zu wirken.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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