Goethe: Faust II [3.]

Wissenschaftliche Buchgesellschaft / Hrsg.: Albrecht Schöne

Im Vergleich zum ersten Teil dieses berühmten Buches fristet der zweite ein Schattendasein. Viele Leser und auch viele Forscher konnten sich nicht wirklich dafür erwärmen. Das hängt mit der großen Abstraktheit des Textes zusammen, das zu den „künstlichsten“ in Goethes Oeuvre zählt.

Der erste Teil mit der Gretchen Geschichte wirkt dagegen geradezu populär. Auch der strukturelle Zusammenhalt über die Aktgrenzen hinweg hilft bei der Lektüre. Im Gegensatz dazu, sind die fünf Akte der Fortsetzung ästhetisch ziemlich selbständige Konstrukte, deren Kohärenz weniger im Text direkt angelegt ist, als in Goethes Idee das Nordische und das Klassische ästhetisch zu konfrontieren.

Dies geschieht neben den offensichtlichen Handlungselementen (Helena in einer deutschen mittelalterlichen Burg) auch durch zahllose Anspielungen bei deren Aufschlüsselung der ausführliche Kommentar Schönes ausgezeichnete Dienste leistet.

Läßt man sich auf diese abstrakte Ästhetik jedoch ein und verknüpft diese mit den zahlreichen „modernen“ Anspielungen (etwa zum Thema Geldwirtschaft oder Krieg), so ist die Lektüre des Faust II. wesentlich spannender als sein Ruf. Die Schöne-Ausgabe gibt es auch als Taschenbuch.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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