Montaigne über die Postmoderne

[Siehe auch mein Aufsatz Die Errungenschaften der Postmoderne als Theorie. Eine philosophische Kritik“]

Warum haben denn keineswegs nur Aristoteles, sondern auch die meisten anderen Philosophen es darauf angelegt, schwerverständlich zu schreiben, wenn nicht, um der Nichtigkeit des Gegenstands ein Ansehen zu geben und die Neugier unsres Geistes beschäftigt zu halten, indem sie ihm als Futter solch hohle und abgefleischte Knochen hinwerfen, auf daß er an ihnen herumnage?

[…]

Die Schwerverständlichkeit ist ein Falschgeld, dessen sich die Gelehrten wie Taschenspieler bedienen, damit die Nichtigkeit ihrer Kunst nicht ans Licht komme – und von der menschlichen Dummheit wird es gern als gültiges Zahlungsmittel angenommen.

[Montaigne, Apologie für Raymond Sebond]

Aristoteles muss man insofern in Schutz nehmen, als seine publizierten Bücher alle verloren gingen und „nur“ seine eigenen Notizen erhalten sind. Diese sind natürlich sehr dicht und daher „schwierig“.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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