Mozart: Lucio Silla

Theater an der Wien 6.3.
Musikalische Leitung: Nikolaus Harnoncourt
Concentus Musicus Wien
Arnold Schoenberg Chor
Inszenierung: Claus Guth
Lucio Silla: Michael Schade
Giunia: Patricia Petibon
Cecilio: Bernarda Fink

Nach der fürchterlichen Mittelmäßigkeit des „Idomeneo“, zeigte die zweite Oper im Theater an der Wien diesmal, dass man dort Musikkunst auf höchstem Niveau präsentieren kann. Es passte alles: Harnoncourt sorgte für einen lebendigen Rahmen, und der Originalklang verhinderte erfreulicherweise jegliches Abgleiten ins „Schönspielen“, der Hauptverfehlung schlechter Mozartinterpreten.

Die Sänger sangen durchwegs auf hohem Niveau und zeigten auch darstellerisch Talent. Der Arnold Schoenberg Chor war erwartungsgemäß ausgezeichnet. Claus Guth führte vor, wie kluges Regietheater aussehen kann. Starke Bilder, plausible Choreographie, intelligentes Bühnenbild (Drehbühne, die viele überraschende Räume schuf), keine billigen Effekte.

Die Oper selbst gibt dem Zuhörer eine Reihe von produktionsästhetischen Rätseln auf. Wie kann ein Jugendlicher mit beschränkter Lebenserfahrung eine emotional so reife Musik komponieren? Mozarts Sonderstatus wird selten deutlicher als im Frühwerk, das man leider viel zu selten spielt.

Nach diesem Abend sehe ich den weiteren Mozartopern an der Wienzeile optimistischer entgegen.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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