Amos Oz: Eine Geschichte von Liebe und Finsternis. Roman

Suhrkamp Verlag (Amazon Partnerlink)

Vermutlich ist es eine Premiere, dass ich die Autobiographie eines Schriftsteller las, ohne vorher auch nur ein Buch von ihm zu kennen. Nachdem ich aber israelische Gegenwartsliteratur lesen wollte, und man diesen Titel mit großem Lob bedachte, entschied ich mich trotzdem dafür. Eine gute Entscheidung wie sich schnell herausstellte.

Oz schreibt eine ungewöhnlich anschauliche Prosa. Man glaubt das Jerusalem der dreißiger bis fünfziger Jahre buchstäblich vor Augen zu haben. Im Mittelpunkt steht die Beschreibung seiner Kindheit und Jugend in Jerusalem. Darin wiederum die Beziehung zur Mutter, die ihrem Leben selbst eine Ende setzt, der tragischer Kulminationspunkt seiner Jugend. Ausgiebig wird auch die intellektuelle Szene der Stadt geschildert, war sein Vater doch ein (brotloser) vielsprachiger Gelehrter, der seinen Unterhalt mit einem armseligen Bibliotheksjob verdiente und am Abend gelehrte Bücher schrieb. Seine Hoffnung auf eine Universitätsstelle ging nicht in Erfüllung. An einer Stelle heißt es, im Jerusalem dieser Zeit hätte es mehr Literaturdozenten als Literaturstudenten gegeben …

Wer nun erwartet, dass Oz seine Kindheit chronologisch abnudelt, wird positiv enttäuscht. Es gibt viele intelligent komponierte Vor- und Rückblenden. In längeren „Exkursen“ wird die osteuropäische Familiengeschichte der Klausners vorgestellt. Wenige Passagen spielen auch in der Gegenwart (2001) und reflektieren Oz‘ Schreibprozess.

Erwähnenswert sind noch zahlreiche bibliomane Passagen. Vater und Mutter sind Büchermenschen, weshalb Bücher im Leben des kleinen Amos und seinen Eltern eine große Rolle spielen. Ein ausgesprochen erfreuliche Lektüre.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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