Lessing: Minna von Barnhelm

Burgtheater 18.12.
Regie: Andrea Breth
Major von Tellheim: Sven-Eric Bechtolf
Minna von Barnhelm: Sabine Haupt
Just: Markus Meyer
Der Wirt: Udo Samel

Nach ihrem enttäuschenden „Kirschgarten“ der letzten Saison kehrt Andrea Breth auf Ihr hohes inszenatorisches Niveau zurück, das in der deutschsprachigen Regieszene nur sehr wenige erreichen können. Ihr ästhetisches Rezept: Man lese den ungekürzten Text mit allen Nuancen, lasse den Schauspielern möglichst großen Freiraum und übertrage das Geschehen trotzdem in die Gegenwart. Vor allem das hohe Textverständnis kann nicht überbetont werden, gibt es doch genügend „Jungstars“, die mit klassischen Texten nichts mehr anzufangen wissen.

Das Bühnenbild zeigt ziemlich heruntergekommene Hotelräumlichkeiten, denen man die Krieg durchaus noch ansieht. Könnte ein Hotel in Sarajewo vor ein paar Jahren sein (samt Einschusslöchern).

Die Schauspieler zeigen durchwegs Glanzleistungen. Ich fühlte mich an die wenigen gelungen Opernabende erinnert, wo ausnahmsweise einmal alle hervorragend singen. Sven-Eric Bechtolf zeigt erneut seine ungeheure Wandlungsfähigkeit und gibt einen emotional aufgewühlten Tellheim, inklusive eines gespensterhaften Lachanfalls in einem Schlüsseldialog. Sabine Haupt agiert als Gegenspielerin auf Augenhöhe.
Breths Inszenierung lotet die Grenzen zwischen Komödie und Tragödie der „Minna von Barnhelm“ aus, wobei das Tragische gegen den Text etwas zu stark betont wird. Deshalb ist Udo Samel als komischer Wirt ein ausgezeichnetes Gegengewicht.
Wer Schauspiel auf höchstem Niveau sehen will, mache sich auf ins Burgtheater.

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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