Reise-Notizen: Kunststadt Madrid

November 2005

Als ich am Tag nach meiner nächtlichen Ankunft die Metro-Station „Atocha“ verließ, und den Botanischen Garten entlang in Richtung Prado ging, war der Park von einer Vielzahl von rege besuchten Buchständen gesäumt. Wenn mich eine Stadt mit so vielen Büchern empfängt, muss sie mir naturgemäß gleich sympathisch sein.

Madrid eilt der Ruf einer Kunststadt voraus. In der Tat ist es ein Eldorado für Kunstfreunde. Dabei hatte ich nur Zeit für zwei ausgiebige Museumsbesuche. Der Prado gehört zu den hochkarätigsten Museen, die ich bisher sah. Man tut gut daran, sich beim ersten Besuch auf die größten Meisterwerke zu konzentrieren. Raffael, El Greco, Goya, Velazequez wären zu nennen, aber auch eine Reihe von Künstlern aus dem Norden (Bosch, Breughel u.a.). Eines der berühmtesten Gemälde der Kunstgeschichte Verlazquez „Las Meninas“ (1656) im Original zu sehen, wäre alleine schon den Besuch des Museums wert. Das strukturell ausgesprochen raffiniert Gemälde, dessen strenge Komposition durch die lebendige Porträtkunst „aufgefangen“ wird, gibt eine Menge ästhetischer Rätsel auf.

Ein paar Minuten vom Prado entfernt ist die erstaunliche Sammlung des Barons Thyssen-Bornemisza untergebracht. Während die meisten Sammler irgendwelche Schwerpunkte setzen, scheint Thyssen-Bornemisza schlicht das beste aller Epochen gekauft zu haben. Das Ergebnis ist frappierend: eine begehbare Monographie der Kunstgeschichte. Vom Mittelalter bis weit ins 20. Jahrhundert hinein, finden sich repräsentative Werke großer Zahl. Die Bilder sind chronologisch-systematisch aufgestellt. Der Audioguide enthält zu jedem Raum eine allgemeine kunstgeschichtliche Einführung und stellt dann ausgewählte Gemälde im Detail vor. Ein hochkarätiger Kunstlehrpfad. Eine ideale Ergänzung des Prado sind vor allem die jüngeren Kunstwerke seit dem Impressionismus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

  • RSS Feed for Posts
  • RSS Feed for Comments
  • Twitter
  • XING
  • Facebook

Aktuell in Arbeit

„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

Kategorien

Tweets