Franz Grillparzer: König Ottokars Glück und Ende

Burgtheater 17.10.
Regie: Martin Kusej
Ottokar: Tobias Moretti
Rudolf von Habsburg: Michael Maertens
Zawisch von Rosenberg: Nicholas Ofcarek
uvm.

Nach einer längeren Durstrecke mit höchstens mittelmäßigem Theater, endlich wieder eine großartige Aufführung. Martin Kusejs Regieleistung wurde bereits nach der Premiere bei den Salzburger Festspielen von der Kritik gefeiert, berechtigterweise muss man anfügen.
Die Flut an schlechtem Regietheater im deutschsprachigen Raum – in der Regel ist die literarische Inkompetenz der „Jungstars“ direkt proportional mit ihrem kurzlebigen Ruhm – diskreditiert einen ästhetischen Ansatz, der große Kunst hervorzubringen vermag. Freilich setzt das seltenes Talent voraus und hier ist Martin Kusej an erster Stelle zu nennen. Jede seiner Theaterarbeiten, die ich bisher sah, war herausragend.
Kusej wird gerne als zukünftiger Intendant des Burgtheaters kolportiert. Man weiß nicht, ob man ihm das wünschen soll, oder ob die Wiener Theaterfreunde nicht doch besser mit einem Hausregisseur Kusej bedient wären, der sich auf seine inszenatorische Arbeit konzentriert.

Der Erfolg der Aufführung ist nicht nur einer konzisen Regie, sondern auch Tobias Moretti und Michael Maertens in den Hauptrollen zu verdanken. Von Morettis fulminanter Bühnenpräsenz war ich hochgradig überrascht. Eine der besten schauspielerischen Leistung, die seit längerer Zeit an der Burg zu sehen war. Maertens als nüchtern-bürokratischer Habsburger war hier ebenso ein ideales Pendant wie der ausgezeichnete Nicholas Ofcarek.

Kusej überfrachtet die Inszenierung nicht mit vielen Regieeinfällen, sondern arbeitete einige Themenkomplexe intelligent heraus, etwa wenn er die Schlachtszene am Schluss in ein urbane Gewaltorgie „übersetzt“, während der auf der Bühne einige Autos demoliert werden. Am Ende betreten die mit Leichen „dekorierte“ Bühne die Wiener Sängerknaben in ihren Matrosenanzügen die Bühne und stimmen makellos das Volkslied „In die Berg bin i gern“ an. Eine gespenstische und exzeptionelle Schlussszene

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"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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