Thomas Bernhard: Die Ursache. Eine Andeutung [3.]

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Es wäre eine detaillierte semantische Studie notwendig, um zu erklären, wie Bernhard es schafft, mit dem Mittel der (offenkundigen) Übertreibung zu einer realistischen Darstellung zu kommen. Nach der Lektüre der ersten seiner autobiographischen Erzählungen hat man einen authentischen Eindruck von den katastrophalen Auswirkungen des zweiten Weltkrieges auf Salzburg. Das gilt auch für die Luftangriffe, was deshalb bemerkt sei, weil dieser Text damit ein Gegenbeispiel zur von W.G. Seebald behaupteten These ist, der Luftkrieg wäre von der deutschen Literatur ignoriert worden.

Im Genre der „Internatsbücher“, zu denen prominent auch Musils Törleß zählt, nimmt „Die Ursache“ ebenfalls einen herausragenden Platz ein. Selten ist mit solcher Eindringlichkeit der nationalsozialistische und katholische Stumpfsinn (und der unmittelbare Übergang vom einem zum anderen) beschrieben worden. Die dritte Lektüre der Erzählung war sicher nicht die letzte.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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