Bill Bryson: A Short History of Nearly Everything

15 CDs, Hörbuch bzw. Random House (Amazon Partnerlink)

Bei dem Hörbuch handelt es sich um eine vollständige Lesung der ca. 600 Seiten des Buches: knapp 20 Stunden kann man sich in schönem britischen Englisch vorlesen lassen. Vom präpotenten (ironischen) Titel sollte man sich nicht abschrecken lassen. Bryson hat ein im besten Sinn populäres Sachbuch über die Welt der Naturwissenschaften geschrieben, das gleichzeitig einen hohen Unterhaltungswert hat. Den Leser erwartet ein unglaublich breites Themenspektrum, weshalb man am Ende des Textes tatsächlich den Eindruck hat, der Titel sei nicht so falsch: Kosmologie, Astronomie, Chemie, Physik, Geologie, Paläontologie, Biologie werden behandelt, meist samit einer Reihe von „Nebenfächern“ dieser Hauptdisziplinen.

Dabei bevorzugt Bryson einen historischen Ansatz. Man erfährt etwa ziemlich genau, wie sich die Geologie und deren Theorien entwickelt haben oder wie der steinige Weg zur Abschätzung des Alters der Erde verlaufen ist, um nur zwei Beispiele aus Dutzenden zu nennen. Ich sehe zwei Zielgruppen als Leser: Zum einen Menschen mit wenig naturwissenschaftlichen Wissen, denen Bryson die Möglichkeit bietet, sich einführend mit den wichtigsten Themen und Theorien vertraut zu machen. In diesem Fall ist das Buch aufklärend im besten Sinn des Wortes. Zum anderen Menschen mit bereits ausgeprägten Kenntnissen, denen die Möglichkeit einer engagierten Wiederholung nebst vielen neuen Details (vor allem wissenschaftshistorischer Natur) geboten wird.

Was mich beim Anhören am meisten erstaunte: Brysons populärer Zugriff geht kaum auf Kosten der intellektuellen Qualität. Er schafft es im Gegenteil oft die richtigen skeptischen Fragen zu stellen. So wenn er ausführlich vor Augen führt, dass das sehr weit verbreitete Modell eines Atoms (Kern mit umkreisenden Elektronen) komplett falsch ist und trotzdem ständig überall abgedruckt wird (in Schulbüchern etwa). Ab und zu gleitet Bryson zu sehr ins Anekdotische ab, das sieht man ihm aber gerne nach.

Wer nicht mit akademischem Interesse im engeren Sinn an das Buch herangeht, wird viel Freude mit diesem erstaunlichen Sachbuch haben.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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