Geoffrey Chaucer: Die Canterbury Erzählungen (Ende)

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Die Erzählung des Arztes variiert das beliebte Motiv „Jungfrau-tötet-sich-selbst-heroisch-um-Ehre-zu-retten“, was natürlich dazu führt, dass die Bösen bestraft werden.
In erfrischender Offenheit berichtet der Ablasskrämer von seinem Geschäft:

Mein ganzes Streben ist zu profitieren,
Nicht etwa, Sünden zu korrigieren.

[V. 404f.]

Sein erzähltes Exemplum fand ich frischer zu lesen als einige andere des Buches, was vermutlich an den Protagonisten liegt. Als kleinen Vorgeschmack auf die Suada der Priorin schon hier ein antisemitischer Seitenhieb:

Sie rissen Christi heiligen Leib in Fetzen
– Als ob ihn Juden nicht genug zerissen –

[V. 474f.]

Mehr als Schwank denn als erbauliches Exemplum angelegt ist die Erzählung des Schiffsherrn rund um einen gerissenen lebenslustigen Mönch, der sich durch raffinierten „cash flow“ einen Gratisbeischlaf bei der Gattin seines Freundes verschafft.

Schließlich die Erzählung der Priorin, die – passenderweise muss man sagen – eine klassische antisemitische Geschichte erzählt. Ein siebenjähriger Junge wird wegen seiner Marienverehrung heimtückisch ermordert. Vorwürfe dieser Art lösten immer wieder Pogrome aus:

Unser Erzfeind, Schlange Satanas,
Ihr Wespennest ist in der Juden Brust
[…]
[V. 558]

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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