August Strindberg: Der Totentanz

Akademietheater 20.6.
Regie: Peter Zadek
Edgar: Gert Voss
Alice: Hannelore Holger
Kurt: Peter Simonischek

Der Theaterfreund kennt normalerweise nur den ersten Teil des „Totentanz“. Regisseure ringen sich selten durch, auch die gut einstündige Fortsetzung auf die Bühne zu bringen. Peter Zadek scheute sich erfreulicherweise nicht, einen vierstündigen Abend mit dem kompletten Stück zu gestalten.
Wie meist verlässt sich der Regisseur auf die Literatur und setzt Regieeffekte sehr dosiert ein. Das hat ihm so mancher Theaterkritiker übel genommen. Offenbar langweiligen sich einige inzwischen, wenn vor ihnen nicht ein Feuerwerk an Regieeinfällen abgenudelt wird, so als sei Literatur nur die Vorlage zu einer lustigen Unterhaltungsmaschine.

Man könnte Zadek vorwerfen, er wäre die Sache etwas gar zu routiniert angegangen. Aber die Routine eines ausgezeichneten Regisseurs ist für einen spannenden Theaterabend durchaus hinreichend.

Die schauspielerische Leistung war glänzend. Gert Voss gab dem Edgar eine dynamische Entwicklung von einer (etwas) weinerlichen Figur zu Beginn bis zum autokratischen Tyrannen am Ende des zweiten Teils. Hannelore Holger brachte die Opfer-Täter-Ambivalenz der Alice sehr differenziert zum Vorschein, während Peter Simonischek einen nicht nur psychologisch überzeugenden Kurt darstellte. Toller Abschluss der diesjährigen Theatersaison. Nun herrscht in Wien sommerliche Theaterödnis bis zum September.

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„Die Presse“ meint:

"Aber das Internet ist nicht schuld daran, dass Zeitungen reihenweise ihre Literaturseiten „gesundschrumpfen“. Vielmehr hat es das Monopol der traditionellen Medien auf seriöse Literaturkritik gebrochen. Blogs wie die „Notizen“ des promovierten österreichischen Literaturwissenschaftlers Christian Köllerer (koellerer.net) zeigen: Es gibt genug Qualität, man muss sie nur suchen."
(5. Januar 2013)

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